Menschen mit abdominaler Adipositas, also überschüssigem Fett um den Bauch und die Organe haben ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen, selbst wenn ihr Body-Mass-Index (BMI) innerhalb eines gesunden Gewichtsbereichs liegt. Dies geht aus einer neuen wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association hervor.

Viszerales Fettgewebe, „Bauchfett“ oder VAT ist ein Risikomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie ein auch besseres Verständnis für Adipositas zeigt. Eine einfache Messung von Taillenumfang zu Hüftumfang (oder auch Taillenumfang zu Körpergröße) ist das gängige Maß (hip-to-waist-ratio) und besser geeignet als der BMI (Gewicht zu Körpergröße).

Auf den Bauchumfang sollte auf jeden Fall ein Augenmerk liegen, denn ein hoher Taillenumfang oder ein niedriges Verhältnis von Taille zu Hüfte – selbst bei gesundem Gewicht – stellen ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen dar. Abdominales Übergewicht wird auch mit Fettansammlungen um die Leber herum in Verbindung gebracht, die oft zu einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung führen, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich erhöht.

Es ist tatsächlich so, dass nach BMI übergewichtige Menschen mit geringem Bauchfett ein  ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Dieses Konzept wird als „metabolisch gesunde Adipositas“ bezeichnet.

Weltweit sind etwa 3 Milliarden Menschen übergewichtig (BMI = 25 bis 29,9 kg/m2) oder haben Adipositas (BMI > 30 kg/m2), wobei Adipositas eine komplexe Erkrankung ist, bei der viele Faktoren zusammenspielen, wie biologische, psychologische, umweltbedingte und gesellschaftliche Aspekte. Die Literatur zu Adipositas und Herzerkrankungen bzw. Stoffwechselerkrankungen füllt mittlerweile ganze Bibliotheken.

In obiger Stellungnahme haben die Forscher den Umgang mit Adipositas, speziell dem Bauchfett ausgewertet. Dabei konnten sie summieren, dass das Bauchfett durch Diät und körperlicher Aktivität reduziert werden kann. Wie immer kommen wir zum Punkt der Kombination aus Ernährungsumstellung und körperlicher Aktivität.

Lebensstiländerungen und anschließende Gewichtsabnahme verbessern Blutzucker-, Blutdruck-, Triglycerid- und Cholesterinwerte – ein Bündel von Faktoren, die als metabolisches Syndrom bezeichnet werden – und reduzieren Entzündungen, verbessern die Funktion der Blutgefäße und behandeln die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung.

Es ist jedoch ein größerer Gewichtsverlust notwendig, um eine Verringerung von Ereignissen der koronaren Herzkrankheit (wie Herzinfarkt oder Brustschmerzen) zu erzielen.

Die obige Stellungnahme befasst sich auch mit dem „Adipositas-Paradoxon“, das manchmal beobachtet wird. Dabei stellt die Fettleibigkeit zwar einen starken Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar, sie ist aber nicht immer ein Risikofaktor für negative kardiovaskuläre Ergebnisse. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass fettleibige Menschen früher auf spezifische Krankheitsrisiken untersucht werden.

Für die Autoren der Stellungnahme gibt es nun auch überzeugende Daten, dass Fettleibigkeit Herzrhythmusstörungen verursachen kann. Menschen, die an Vorhofflimmern leiden und stark abnahmen, erlebten eine signifikante Reduktion dieser Störung.

Weitere Untersuchungen der Lebensstil-Interventionen, die am effektivsten bei der Verringerung der viszeralen Adipositas und der Verbesserung der kardiovaskulären Ergebnisse sein könnten, sind in Zukunft gefragt.

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