Bewegung beeinflusst den erlebten Stress

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Die psychische Belastung, die sich rund um die COVID-19 Maßnahmen einstellt, scheint auch mit (trotz) verstärkter körperlicher Aktivität schwer zu verkraften zu sein, obwohl Bewegung normalerweise Angst und Stress reduziert. In einer von Forschern der Washington State University geleiteten Studie mit Zwillingen berichteten Personen, die nach Beginn der COVID-19-Lockdown-Verordnungen von einer Steigerung ihrer körperlichen Aktivität berichteten, über höhere Stress- und Angstwerte als Personen, deren Aktivitätsniveau gleich blieb.

In der Studie analysierten die Forscher die Daten von über 900 eineiigen und gleichgeschlechtlichen zweieiigen Zwillingspaaren aus dem Zwillingsregister des Staates Washington. Diejenigen, die über einen Rückgang der körperlichen Aktivität innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der Maßnahmen berichteten, empfanden ein höheres Maß an Stress und Angst, was erwartet wurde. Überraschenderweise fühlten sich jedoch viele der Befragten, die ihre körperliche Aktivität erhöhten, genauso.

Die Zwillingsumfrage wurde vom 26. März bis zum 5. April 2020, also in der Frühzeit der Pandemie durchgeführt, als die ersten restriktiven Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 ergriffen wurden. Die Studienteilnehmer wurden zu Veränderungen ihrer körperlichen Aktivität im Vergleich zum Vormonat befragt, wobei 42% über einen Rückgang ihrer körperlichen Aktivität berichteten; 27% gaben an, dass sie ihre Aktivitäten erhöht hätten. Weitere 31% berichteten von keiner Veränderung.

Die Durchführung der Studie mit Zwillingen ermöglichte es den Forschern zu untersuchen, ob die Zusammenhänge zwischen Veränderungen der körperlichen Aktivität und der psychischen Gesundheit durch genetische oder gemeinsame Umweltfaktoren oder beides vermittelt wurden. Eineiige Zwillinge teilen sich alle ihre Gene, zweieiige Zwillinge etwa die Hälfte ihrer Gene, und Zwillinge, die in derselben Familie aufwachsen, teilen viele prägende Erfahrungen.

In dieser Studie stellten die Forscher fest, dass der Zusammenhang zwischen verminderter körperlicher Aktivität und Stress durch genetische und Umweltfaktoren verfälscht wurde. Die Zwillingspaare, die sich in ihrer wahrgenommenen Veränderung der körperlichen Aktivität unterschieden – wenn ein Zwilling eine verminderte Aktivität berichtete, während der andere gleich blieb – unterschieden sich nicht in ihrem wahrgenommenen Stressniveau.

Es ist nicht unbedingt so, dass körperliche Betätigung nicht hilft, mit Stress umzugehen, doch gibt es eine genetische und umweltbedingte Verbindung zwischen den beiden. Zumindest auf kurze Sicht scheint es, dass die Abnahme oder Zunahme der körperlichen Aktivität keine großen Auswirkungen auf den Umgang mit Stress und Angst haben.

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