Der Sonne entgegen

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Diesmal stellen wir eine Radtour von Neapel in den Süden vor, und zwar entlang der Costiera Amalfitana und entlang der Küste des Cilento bis Sapri. Und wie immer in Italien ist es bunt, chaotisch, lebensfreudig und als wir radeln, heiß!

Los geht es wieder von Neapel, dessen Straßenverkehr wir mittlerweile gut kennen und furchtlos aufnehmen. Wir tanken uns bis zum Fährhafen vor und bleiben tapfer im Gewühl auf der der Küste nächsten Straße, der SS18. Im Stadtbereich ist es ratsam, Autos und vor allem Autotüren im Auge zu behalten, denn wie schon erzählt, Radfahrer mit Gepäck sind so selten wie eine blaue Mauritius.

So geht es flach und trotz allem problemlos in den Süden, wobei der erste bekannte Ort Ercolano ist – Herkulaneum, die nach Herkules benannte Stadt, die beim Vulkanausbruch des Vesuv 79 n.Chr. vom pyroklastischen Strom für die Nachwelt konserviert wurde. Die Ausgrabung ist viel kleiner als Pompej, aber eindrucksvoller, da eben nicht vom ersten Ascheregen zerstört. Auch sind dort viel weniger Touristen unterwegs.

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Herkulaneum

Weiter geht es durch Torre del Greco und Torre Annunziata und Pompej, DIE Touristenattraktion neben dem Vesuv. Der Eindruck der Ausgrabungen ist natürlich alleine ob der Größe überwältigend, wobei hier weniger wirklich vorstellbar zu sehen ist.
Wir radeln weiter an der Küste bis Castellammare di Stabia, einer Küstenstadt an Stelle der antiken Stadt Stabiae. Von hier kann man per Seilbahn auf den Monte Faito, wo die reichen Römer ihre Villen hatten.

Nun geht es erstmals bergauf, denn wir klettern Richtung Sorrent(o), Ziel der Italiensehnsucht für viele. Sorrent ist quasi das Eintrittstor für die Amalfiküste und liegt in unmittelbarer Nähe zu Capri. Auch die Inseln Procida und Ischia sind schnell per Fähre zu erreichen. Wer auf die Landkarte blickt, sieht die Caldera des unterirdischen Vulkans von Capri, über Sorrent, die Küste bis Neapel und Procida und Ischia – ein eindrucksvolles Bild!

Küste von Sorrent

Küste von Sorrent

Von Sorrent klettern wir über Massa Lubrense, Sant’Agata sui Due Golfi bis zu unserer Unterkunft mit Blick auf Sorrent (Golf von Neapel) und den Golf von Salerno. 75km und 850 Höhenmeter beenden Tag 1.

Tag 2 ist kurz aber unglaublich intensiv, denn es geht entlang der Amalfiküste bis Salerno. Die 56 Kilometer und 600 Höhenmeter werden bunt, chaotisch, laut, pulsierend, unglaublich!
Zwischen Positano und Amalfi ist wahrlich die Hölle los, wer mit Auto unterwegs ist, verliert. Es gibt 1.000de Mofas, Busse, Reisebusse, Mietautos, keinen Parkplatz und sehr, sehr vereinzelt Radler. Alles quält sich entlang der malerischen Küstenstraße, die teils hoch über dem Meer angelegt ist. Paparrazi versuchen, Bilder von den Bewohnern der Yachten zu schließen, überall sind Menschen mit Rollkoffern unterwegs, es wurlt und brodelt.

Dom von Amalfi

Dom von Amalfi

Ruhiger wird es erst nach Minori und Maiori, trotzdem ist überall Badebetrieb. Wir sehen Zitronenhaine, Badebuchten, an die Felsen geschmiegte Hotels und schließlich die ruhigere Stadt Salerno. Die wird zwar als „nicht so sehenswürdig“ eingestuft, ist aber sehr schön, sauber und hat eine nette Fußgängerzone. Hier war in der Antike ein Militärlager, heute ist sie als Hafenstadt bedeutend.

Am dritten Tag nehmen wir eine lange Tour in Angriff – 101km und 670 Höhenmeter bis Marina di Casal Velino. Zunächst geht es von Salerno flach und direkt entlang der Küste Richtung Agropoli. Wir nehmen dabei den Abstecher über Paestum, wo griechischen Ausgrabungen zu bewundern sind. (Tempel der Athena und des Neptun).

Paestum

Paestum

Bis Agropoli reihen sich Badestrände wie Perlenschnüre auf, und auch Agriopoli ist hier sehr begehrt. Von Paestum im Norden, Sapri im Süden und dem Diano-Tal im Osten eingegrenzt erstreckt sich der Cilento mit 100km Küste, Bergen (bis 1900m) und etwa 200 meist mittelalterlichen Dörfern, den wir jetzt erstmals von Agropoli Richtung Castellabate überqueren.
Auch hier reihen sich an der Südküste Bädestrände wie Perlen auf der Schnur aneinander, wobei uns die Küste besser als die Amalfitana gefällt – es ist ruhiger, entspannter, das Wasse ist tieftürkis und klar; wunderbar!

Die Küste des Cilento

Die Küste des Cilento

Der letzte Tag hat es dann richtig in sich – von Casal Velino geht es über Marina di Camerota, einem sehr frequentierten Badeort, über den Berg nach San Giovanni di Piro, Policastro Bussentino nach Sapri, einem wunderschönen Küstenort, eingebettet in ein Bucht. Wir radeln 79km und 1145 Höhenmeter! Das ist schweißtreibend, aussichtsreich und sportlich herausfordernd – aber letztlich eine schöne Reise. Die Cilentoküste hat auf jeden Fall viel Charm und wunderbare Badestrände – ein große Einladung, wieder zu kommen!
Von Sapri geht es per Zug retour nach Neapel – echt italienisch! Rein, was rein geht, wir stehen mit 2 Rädern (nix Stellplatz) und gesamt 17 Leuten mit Koffern und riesigen Säcken voll „echter Handtaschen“ vor der Tür zum Wagon – auch dort ist alles zum Brechen voll, aber es geht!

Einfahrt nach Sapri

Einfahrt nach Sapri

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