Spar‘ dir das Geld!

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Eine neue, umfassende Analyse der Ergebnisse von 227 klinischen Studien inklusive 24 resultierender Maßnahmen zeigen laut der Forscher von John Hopkins Medicine, dass fast alle Vitamin- und Mineralstoffgaben sowie andere Nahrungsergänzungsmittel oder Diäten nicht mit einer längeren Lebensdauer oder dem Schutz vor Herzerkrankungen in Verbindung gebracht werden können.

Die meisten Nahrungsergänzungsmittel oder Diäten waren zwar nicht mit Schäden verbunden, es zeigten sich aber im besten Fall mögliche positive Auswirkungen nur bei salzarmer Ernährung, Omega-3 Supplementierung und ganz eventuell Folsäureergänzung – und das nur bei einigen Menschen. Andererseits waren Nahrungsergänzunmgsmittel, die Kalzium und Vitamin D kombinierte mit erhöhtem Schlaganfallrisiko verbunden.

Dabei zeigt sich, dass akutell 52 % der Amerikaner täglich Nahrungsergänzungen einnehmen – auch Millionen Europäer „ergänzen“ so ihr täglich Brot – das Geschäft ist in den USA mittlerweile 31 Milliarden Dollar pro Jahr schwer und umfasst an die 90.000 Artikel.

Nur: die Wunderwaffe gibt es nicht – außer man ernährt sich „mit Hirn“

Für die präsentierte Analyse wurden die Daten von 277 randomisierten klinischen Studien zusammengefasst, die 16 Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel und acht Diäten umfassten. Im Mittelpunkt stand der Zusammenhang von Nahrungsergänzung und Sterblichkeit, Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfall. Der Datensatz war mit 992.129 Forschungsteilnehmern weltweit ordentlich groß.

Zu den überprüften Vitaminen und anderen Nahrungsergänzungsmitteln gehörten:
* Antioxidantien
* β-Carotin
* Vitamin B-Komplex
* Multivitamine
* Selen
*  Vitamin A
* Vitamin B3/Niacin
* Vitamin B6
* Vitamin C
* Vitamin E
* Vitamin D allein
* Kalzium allein
* Kalzium und Vitamin D zusammen
* Folsäure
* Eisen
* Omega-3-Fettsäure (Fischöl).

Die überprüften Diäten waren:
* „mediterrane“ Diät
* fettarme Diät mit weniger Fetten aus Fleisch und Milchprodukten
* eine modifizierte Nahrungsfettaufnahme (weniger gesättigte Fette oder das Ersetzen von Kalorien durch mehr ungesättigte Fette oder Kohlenhydrate)
* fettarme Diät
* salzarme Diät bei gesunden Menschen und Menschen mit hohem Blutdruck
* erhöhte Alpha-Linolensäure (ALA) Diät (Nüsse, Samen und Pflanzenöle)
* und eine erhöhte Omega-6-Fettsäure-Diät (Nüsse, Samen und Pflanzenöle).

Jede Intervention wurde auch nach der Stärke der Evidenz als hohe, mittlere, niedrige oder sehr geringe Risikowirkung eingestuft.

Die Mehrheit der Nahrungsergänzungsmittel, darunter Multivitamine, Selen, Vitamin A, Vitamin B6, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin D allein, Calcium allein und Eisen zeigte keinen Zusammenhang mit einem erhöhten oder verminderten Risiko für Tod oder Herzgesundheit.

In jenen drei Studien (3.518 Menschen), die sich mit einer salzarmen Ernährung bei Menschen mit gesundem Blutdruck beschäftigten, gab es 79 Todesfälle. Die Forscher meinen, dass sie bei diesen Menschen eine 10%ige Abnahme des Sterberisikos festgestellt hätten, die sie als moderate Begleiterscheinung einstuften. (wobei sich hier die wichtige Frage stellt: 10% von welchem Ausgangswert?)

Von jenen fünf Studien, deren Teilnehmer (3.680)  Bluthochdruck hatten und auf eine salzarme Ernährung gesetzt wurden, extrahierten sie, dass das Risiko eines Todes aufgrund von Herzerkrankungen um 33% gesunken war, da es während der Studienzeiträume 674 Todesfälle durch Herzerkrankungen gab. Sie stuften diese Intervention auch als moderaten Hinweis auf eine Auswirkung ein.

41 Studien mit 134.034 Teilnehmern bewerteten die mögliche Wirkung von Omega-3-Fettsäurepräparaten. In dieser Gruppe hatten 10.707 Menschen gesundheitliche Probleme wie einenn  Herzinfarkt oder einen Schlaganfall, der auf eine Herzerkrankung hinweist. Insgesamt zeigten diese Studien, dass die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln mit einer Reduzierung des Herzinfarktrisikos um 8 Prozent und einer Reduzierung der koronaren Herzkrankheit um 7 Prozent verbunden war, verglichen mit jenen, die keine Omega-3 Präparate erhielten. Die Forscher bewerteten den Nachweis für einen positiven Zusammenhang mit dieser Intervention als gering.

Basierend auf 25 Studien an 25.580 gesunden Menschen zeigten die Daten auch, dass Folsäure mit einem um 20 Prozent reduzierten Schlaganfallrisiko verbunden war. Etwa 877 Teilnehmer hatten während der Versuche Schlaganfälle. Die Autoren bewerteten die Evidenz für einen Zusammenhang mit positiven Effekten als gering.

Die Autoren verweisen auf den wichtigen Aspekt, dass die Studien, die den größten Einfluss der Folsäure-Supplementierung auf die Verringerung des Schlaganfallrisikos suggerieren, in China stattfanden, wo Getreide und Körner nicht mit Folsäure angereichert sind, wie sie es in den USA sind.

Zwanzig Studien untersuchten die Kombination von Kalzium mit Vitamin D in einer Ergänzung. Von den 42.072 Forschungsteilnehmern hatten 3.690 einen Schlaganfall während der Studien, was zusammengenommen ein um 17% erhöhtes Schlaganfallrisiko nahelegt. Die Risikobeweise wurden als moderat eingestuft. Es gab keine Beweise dafür, dass Kalzium oder Vitamin D allein genommen gesundheitliche Risiken oder Nutzen haben.

Aus den Analysen ergibt sich eine einfache Botschaft:
„Spar‘ dir das Geld und bleib‘ gesund durch eine ausgewogene Ernährung! Nahrungsergänzungen nur nach ärztlicher Vorschrift!“

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