Und wieder eine Studie zum Sporttreiben

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Kurz vor Jahresende haben uns Sport Austria (aka „BSO“ – Bundes-Sportorganisation) und die 3 Breitensport-Dachverbände ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION mit einer neuen Corona-Sport-Studie_Sport_Austria-Observer beglückt.

Die Quintessenzen daraus:
1- Knapp 1/3 der Befragten betreiben weniger Sport. Die bis 29-jährigen haben bei der Sportausübung zwar zugelegt, bei den Älteren nimmt die Sportausübung aber massiv ab.
2- der passive Sportkonsum (Besuch von Veranstaltungen, Sport im TV oder über Streaming) hat sich ebenso negativ verändert.

Diese Erkenntnisse kamen auch schon im Mai 2020 daher, als die ASKÖ unter dem Titel „Bewegung gewinnt gegen Corona“ mitteilen wollte, dass die Bevölkerung nach Bewegung schreit und viel sportelt, und die Dachverbände also wichtige Anbieter sind, die man finanziell unterfüttern muss.

Die Observer-Studie hat nun also die gleich Zahlen wie die ASKÖ-Studie – es sporteln weniger – und wieder ist die Forderung nach mehr Geld für den organisierten Sport am Tisch.

Denn, die weiteren Gründe sind, dass

– die Wertschöpung aus dem Sport rückläufig ist (sagen SPORTUNION und SportsEconAustria); und zwar wird ein Minus von mindestens 30 Prozent für die Sportwirtschaft erwartet

– die Folgekosten von Bewegungsmangel steigen (sagt die SportsEconAustria)

Zur Sportwirtschaft wird dabei alles gezählt was direkt oder indirekt mit dem Sport zusammenhängt – ihr wird ein Anteil von 5,75% an der Wertschöpfung zugerechnet, und 90.000 (direkt) bzw. 300.000 (indirekt) Arbeitsplätze. Wir reden hier von Sportgeschäften, Sporttourismus, Hotellerie, Gastgewerbe bis hin zum Platzwart und zum Putztrupp in Stadien, aber auch von hauptamtlichen Mitarbeitern in Sportvereinen und -verbänden.

Der Benefit von Sport und Bewegung wird mit 530 Mio Euro pro Jahr (Unfallkosten abgezogen) für das österreichische Gesundheitssystem angegeben – gemeint als vermiedene Kosten für die Behandlung von durch Bewegungsmangel verursachten Zivilisationskrankheiten. Würden sich nur 10% der Bevölkerung mehr bewegen, kämen weitere 100 Millionen Ersparnis pro Jahr dazu. Und nach den Zahlen der Statistik Austria leitet man 7,800 jährliche Tote infolge dieses Bewegungsmangels ab.

Mit diesen Zahlen und Fakten klingt die jetzige wilde Diskussion um’s Schifahren und Rodeln besonders grotesk, ebenso wie das Verbot allen Sports „indoors“ und jeglicher Bewegung, die über „allein im Freien oder zuhause mit viel Abstand“ hinausgeht.

Wobei die Menschen in den 3 Lockdowns zumindest eines gezeigt haben: sie bewegen sich – und nein, die meisten betreiben nicht „Sport“, und verneinen das auch, wenn man sie befragt. Und viele sind wahrscheinlich mehr unterwegs als vorher, auch wenn sie in den „Sport-Studien“ nicht vorkommen. Wenn auch das reine Spazierengehen nicht wahnsinnig fordernd ist, ist diese Art der Bewegung aber mehr als notwendig, denn neben der zunehmenden Zivilisationskrankheitenexplodieren“ die psychischen Erkrankungen. Es wird hier insgesamt noch einiges auf das Gesundheitssystem zukommen.

Ein großes Problem sind aber sicher auch jene, die in diversen Vereinen aktiv waren und nun sportlich „auf dem Trockenen“ sitzen. Junge Athletinnen und Athleten, die in der Gemeinschaft Sport betrieben haben (z.B. im Volleyballteam), dort die Freunde hatten und nun seit Monaten zu Einzeltraining zu Hause via Zoom-Meetings verdammt sind. Die keine Turniere, Wettkämpfe, Trainingslager, Reisen mehr absolvieren können und zum Nichtstun verurteilt sind. Hier werden ganze Jahrgänge von Nachwuchsathleten verloren – und 14-jährige, die aus dem Rhythmus fallen, werden möglicherweise in großen Zahlen den Sport ganz lassen.

Um am anderen Ende des Altersspektrums sind jene betroffen, die aus Angst vor dem Virus und einer möglichen Infektion zu Hause bleiben und sich einbunkern. Bewegungsmangel kombiniert sich hier mit Einbußen für das Immunsystem, das ohnehin schwächer wird, wenn wir altern.

Es steht zu erwarten, dass umso mehr Menschen für den organisierten Sport verloren gehen, je länger sie von Sportmöglichkeiten ferngehalten werden.- und hier wird mehr Geld für Vereine und Verbände nichts nützen. um diesen Trend umzukehren. Eine Sportkultur ist notwendig, die nur von den Menschen selbst kommen kann – und das gesellschaftliche Übereinkommen, dass Bewegung zu jeder Zeit gut, wichtig und gewollt ist. Und: die Sportstätten müssen offen sein – alle und immer!

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