Wir basteln unser Essen

0

Die heutige Zeit ist – chinesisch gesehen – eine „spannende“. Während es der Menschheit besser geht denn je und immer weniger Menschen hungern müssen, „basteln“ wir in den westlichen Gesellschaften unsere tägliche Nahrung, um unseren moralischen Ansprüchen zu genügen.

Hier, als kleiner Teaser aus der Morgenlektüre: Ein veganes Spiegelei. Man (oder hier Frau) ist mächtig stolz auf das Kunststück. Ein Potpourri aus Kürbis, Reismehl, Maismehl, Hefe, Kokosmilch, Wasser und Gewürzen – lecker.

Nur: was sagen eigentlich unsere Mitbewohner (ca. 2kg Bakterien im Darm) dazu, wenn sie statt hochwertigem Protein, super Fettprofil, jeder Menge Vitaminen und Mineralstoffen ein seltsames Etwas vorgesetzt bekommen, das das Hirn als „Ei“ sieht, die Stoffwechselmechanismen zur Verdauung anwirft, reger Austausch zwischen Hirn und Darm zwecks Verwertung anläuft – und dann kommt was ganz anderes?

Bei den künstlichen Süßstoffen weiß man, dass „süßer Geschmack“ Insulinausschüttung bedeutet – und nachdem kein Zucker aufgenommen wird, der Hunger loslegt. Das Hirn läßt sich nicht austricksen. Auch das Mikrobiom übrigens nicht, künstliche Süßstoffe bewirken eine Glucoseintoleranz, indem sie die Darmflora verändern. Und das ist alles andere als gut.

Das Interesse am Mikrobiom und dessen Einfluss auf unsere Gesundheit stehen in der Zwischenzeit vermehrt im Fokus der Wissenschaft. Und man weiß mittlerweile viel über die bislang geschmähten und unbeachteten Helferleins. Je besser es ihnen geht, desto besser geht es uns – und zwar nicht nur bzgl „Blähbauch“, sondern ganz grundlegend bzgl. systemischer Entzündungen, Diabetes, aber offensichtlich auch neurogenerativer Erkrankungen. Dass man Darmbakterien in Hirngewebe gefunden hat, haben wir berichtet. Und dass man durch Ausschaltung der Darmflora (durch Antibiotika) die Neubildung von Gehirnzellen stark einschränken kann, ebenso.

Diese Erkenntnisse wären doch eigentlich geeignet, sich zu überlegen, ob nicht „artgerechte Menschenernährung“ die beste und gesündeste Variante wäre? Also Essen wie Oma (die eigene!), um das, was man stoffwechseltechnisch und in Bezug auf die Bakterienbesiedelung per Erbe so mitbekommen hat, auch optimal zu nützen.

Wir Menschen haben zu 99,9% die gleichen Gene – nur ein paar Mutationen unterscheiden uns. Aber wir haben sehr unterschiedliche Mitbewohner – nicht nur in Bezug auf die ethnische Herkunft, sondern auch in Bezug auf unsere Essgewohnheiten. Je „westlicher“ wir essen, desto ärmer ist unser Mikrobiom – und desto mehr leiden wir an nicht-übertragbaren Krankheiten wie Diabetes, metabolischem Syndrom, systemischen Entzündungen, Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen etc.

Und Länder, die die westlichen Ernährungsgewohnheiten annehmen, desto mehr werden wir ebenso zivilisationskrank.

„Essen“ ist also viel mehr, als irgendetwas „oben einzuwerfen“, das das Hungergrummeln im Bauch besänftigt, und dann irgendwie „hinten“ wieder rauskommt. Es ist nicht egal, was man isst, eine Kalorie ist nicht gleich einer Kalorie (also quasi egal, was reinkommt, Hauptsache die Kalorienbilanz stimmt).

Wir sollten uns viel mehr dessen bewußt sein, dass jeder von uns ein einzigartiges Projekt ist, und von seinen bakteriellen Mitbewohnern ultimativ abhängt. Die Kerlchen haben sich über Millionen von Jahren mit uns entwickelt, wird sollten ihnen für die großartige Arbeit dankbar sein und sie mit hochwertigen Lebensmitteln (die sie kennen und gewohnt sind) verwöhnen!

Teilen auf: