Bikinifigur – Zeit

0

Überall beginnt die Natur aus dem Winterschlaf zu erwachen, an allen Ecken sieht man frisches Grün sprießen – und auch die Diätvorschläge schließen wie die Schwammerln aus dem Boden! Nach allen möglichen high und low (carb, fat, protein, was auch immer) und sonstigen mehr oder weniger originellen Ideen, finden wir nun „Mono Meals“ oder „Shepherds-Diät“ oder Optavia-Diät oder……..

Letztendlich geht es aber immer um „Kalorienzählen“, bzw. „Stoffwechsel ankurbeln“, bzw. „Entschlacken“ und wieder zur Bikinifigur zu kommen – und das möglichst rasch! (Jojo-Effekt ganz gratis frei Haus dazugeliefert)

Frage 1 – wie kommen wir überhaupt zu „Kalorien„? Ganz einfach, wir fackeln die Lebensmittel ab. Ja, richtig, anzünden, verbrennen lassen, messen, wieviel Energie dabei umgesetzt wurde. Was z.B.Holz zu einem hochkalorischen Knüller macht – also werden unverdauliche Ballaststoffe aus der Rechnung entfernt. Das Ganze ist aber nicht nur höchst ungenau – der Vergleich von Nährwerttabellen (basierend auf der Abfackelmethode) und direktem Verbrennen im Labor ergab zum Teil himmelhohe Unterschiede – wir sind auch jeder ein einzigartiges Projekt und mit unterschiedlicher Darmflora ausgestattet, die Nahrung unterschiedlich verwertet. Der Maschinenmetapher – Kalorien abgezählt einführen und je nach Menge Zu- oder Abnahme zu erwarten ist schlicht falsch.

Frage 2 – aber warum funktioniert das alles so nicht? Weil hier ganz einfach auf den Kontext vergessen wird.

Wie sieht das generelle „Wissen“ aus: die meisten denken, wir haben hier eine einfache Gleichung. Um Gewicht zu verlieren, müssen wir Kalorien reduzieren (entweder weniger essen oder mehr verbrennen), um Gewicht zuzulegen, müssen wir Kalorien aufnehmen (mehr essen oder weniger verbrennen) und um das Gewicht zu halten, halten wir einfach die Kalorienzufuhr konstant (essen und verbrennen die identische Mengen).

Wir hatten schon einmal das Beispiel mit dem Bissen vom Apfel täglich zuviel angeführt (ca. 20 kcal). Wir würden übers Jahr einen Kilo Fett zunehmen, wenn wir täglich nur diesen einen Bissen zuviel essen!

Auch wird jedem klar sein, dass niemand ein Logbuch über Nahrungsaufnahme gegen Energieverbrauch führt und täglich die Bilanz erstellt und für Abgleich sorgt. Also nicht mehr nach Hause geht, weil das zuviel verbrauchen würde……

Frage 3 – welche Fragen muss ich mir dann stellen? Zum Beispiel die, wie aktiv ich eigentlich bin. Oder wie hoch mein Stressniveau ist. Oder ob ich eher insulinempfindlich oder insulinresistent bin. Oder wie meine Nahrungsquellen aussehen (verarbeitete Nahrungsmittel?, hochwertiges Fleisch?, natürliche Produkte? ….). Oder wie ich meine Makronährstoffe zusammensetze (viele Kohlehydrate? welches Fett?, Protein? ..)

Interessanterweise sind diese Fragen in der Natur irrelevant. Den übergewichtigen Löwen gibt es nur im Zoo, die letzten naturbelassenen Völker (Jäger-und Sammlerkulturen) sind durchwegs nicht mit metabolischem Syndrom geplagt – und Kalorientabellen und Diäten sind dort gänzlich unbekannt. Die Geschichte ändert sich erst, wenn die westliche Zivilisation zuschlägt.- dann kommt der Rattenschwanz an Problemen. Und so ist auch das Hauptproblem z.B. im Gazastreifen …… massives Übergewicht!

Frage 4 – wie komme ich zu meinem Kontext? Zunächst: nicht indem man die diveresen Tabellen (Nährwerte, Kalorienverbrauch) abarbeitet und abgleicht. Und vor allem nicht, indem man Gurus, Stars und Sternchen etc. und ihren todsicheren Tipps folgt! Denn das sind Menschen, die sich den ganzen Tag mit der Eigenoptimierung beschäftigen können und sonst nicht viel Stress um die Ohren haben. Bei ihnen laufen die Prozesse des Stoffwechsels nicht unbedingt in gleicher Abfolge und Geschwindigkeit ab, wie bei uns, die andere Arbeitszyklen, Freizeitmöglichkeiten, Schlafqualitäten oder Stresspegel haben.

Auch ist wesentlich, dass Kohlenhydrate vor allem schnelle Energieliefereanten sind, während Proteine wichtige Baustoffe darstellen und nur ungern zur Energiegewinnung verwendet werden – jeder Marathonläufer wird das bestätigen, wenn der „Mann mit dem Hammer“ kommt; sprich die Glykogenspeicher leer sind, damit die Fettverbrennung nicht laufen kann, und aus Muskeleiweiß Glykogen aufgebaut werden muss.

Fett wind wiederum unsere bevorzugten Energielieferanten, dienen aber auch als Baustoffe.

Kohlenhydrate sind daher mit Insulinausschüttung, rascher metabolischer Reaktion und baldigem erneuten Hungergefühl verbunden. Je verarbeiteter die Kohlenhydrate sind, desto schneller kommt der Hunger retour. Und je insulinresistenter ein Mensch ist, desto besser wirkt für ihn eine kohlenhydratarme Kost. (insulinsensitive Menschen verlieren mehr Gewicht mit fettarmer Kost)

Proteine sättigen lange, am besten kombiniert mit Fett – das, was man gemeinhin „Fleisch“ nennt.

Training bestimmt ganz entscheidend die Bedeutung von Kalorien: ein Crossfit-Training mit Leerung der Glykogenspeicher bedeutet, dass die Kohlenhydrate direkt verbrannt oder die Glykogenspeicher damit wieder aufgefüllt werden. Das beeinflusst die Fettverbrennung nicht und Protein kann zum Muskelaufbau verwendet wreden.

Sind die Glykogenspeicher voll und die Kohlenhydrate werden nicht verbrannt (kein Training), wird die Fettspeicherung einsetzen, die Insulinsensitivität nimmt ab, Protein wird nicht für den Muskelaufbau verwendet sondern verbrannt.

Schlechter Schlaf ist bekanntermaßen ebenso nicht gut – die Insulinresistenz steigt! Jeder, der übernächtig einen Tag verbracht hat, kennt den Heißhunger auf Süßes und Junk Food – mit der Insulinresistenz kommt es dann schnell zur Gewichtszunahme. Also heißt schlecht schlafen auch möglichst fasten.

Wie immer kommt hier der kurze Tipp:
* seine Kohlenhydrate muss man sich verdienen – viele Kohlenhydrate = viel Bewegung
* der Sixpack wird in der Küche gemacht – frisch und möglichst clean selbst kochen
* ausreichend guter Schlaf – Handys und Elektrogeräte möglichst verbannen
* Stresskontrolle
* Kalorienzählen vergessen

Teilen auf: