Ernährungsweisheiten ……

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Hartnäckig halten sich ein paar Weisheiten in der Ernährung, die wir uns hier genauer ansehen:

1- Fett macht fett, immer nach Magervarianten Ausschau halten und Fett vermeiden, wo es geht.

FALSCH

Fett – gesättigtes Fett, von Tieren wie Butter, in Eiern, vollfetten Milchprodukten und Fleisch – ist für unser Leben und unsere Gesundheit enorm wichtig. Fett ist unsere bevorzugte Energiequelle, ist wesentlicher Baustein für unsere Zellmembranen, für Hormone und hormonähnliche Substanzen, ist Transporter für fettlösliche Vitamine und wichtig für viele Prozesse im Körper. Fett kam auf die „Watchlist“, weil man in den 50er Jahren nur sehen konnte, dass es Cholesterin im Blut erhöht – und das war mit Herzerkrankungen assoziiert. Heute weiß man es besser. Erhöht wird das gute, hilfereiche Cholesterin. Schlimm für uns ist das VLDL (very low density lipoprotein) – und das wird durch Kohlenhydrate und Zucker erhöht. Fett ist der falsche Schuldige!

Das kann man übrigens im größten Menschenexperiment gut sehen: in Amerika ist „Fett“ ein mittlerweile Panik auslösendes Wort. Man hat es geschafft, dass die Amerikaner seit 1980 den Konsum von gesättigtem Fett um 14% gesenkt haben,  immer weniger Fleisch essen, dafür mageres Huhn auf die Speisekarte nehmen und den Cholesterin-Durchschnitt von 213mg/dl auf 203mg/dl gesenkt haben. Auch ist der Anteil jener Amerikaner mit hohem Cholesterinwert (über 240mg/dl) von 26% auf 19% gesunken. Gleichzeitig wurde der Anteil von Kohlehydraten in der Nahrung um 25% gesteigert und liegt heute bei  50 – 60% der Tageskalorien.

Voller Erfolg der „no fat“ Kampagne also. Dafür ist gleichzeitig der Anteil der Menschen mit metabolischem Syndrom auf 75 Millionen Menschen explodiert, 33,8% sind adipös und 68 Prozent übergewichtig oder adipös …..

BESSER: zum Kochen Butter, Butterschmalz oder Schmalz verwenden. Milchprodukte nur vollfett und natur nehmen! Keine Angst vor Fett – es hat mehr Kalorien, dafür beeinflusst es unser Insulinsystem nicht! Und man braucht weniger um satt zu sein.

 

2- Wenn man keine Zeit hat sich gut zu ernähren, dann helfen Vitamine und Functional Food das Gleichgewicht wieder herzustellen.

FALSCH

Weder das eine, noch das andere hilft. Vitamintabletten oder -säfte oder -brausen erzeugen in erster Linie einen teuren Urin. Sie wirken isoliert auch nicht wie bisher angenommen, sondern wirken im Konzert mit den 10.000ten Phytochemikalien Enzymen, Ballaststoffen und all den vielen Substanzen in der natürlichen Nahrung. Ein Apfel hat seine antioxidative Fähigkeit nur zum kleinen Teil vom Vitamin C, zum großen von den Phytochemikalien. Nur die Synergie macht‘s! Und was „Functional Food“ anbelangt, gilt dasselbe. Wer darüber hinaus denkt, dass ein paar Bakterien eingeworfen, etwas bewirken können, sollte daran denken, dass er ca. 100 Billionen Bakterien sein eigen nennt, 1/3 davon ist im Darm zu Hause. Wer dort wohnen darf, bestimmt die dortige Mehrheit.

BESSER: man nehme Natur pur – und zwar die wirklich, echte, unverfälschte. Also Obst und Gemüse und koche selbst!

 

3- Süßstoffe  – sind super, weil die sparen Zucker und Kalorien.

FALSCH

Die neueste Studie zeigt – Light Getränke mit Süßstoffen machen dick, weil sie die Darmflora (unsere Bakterien dort) so verändern, dass man nicht mehr auf Insulin reagiert. Süßstoffe führen auch das Gehirn hinters Licht – es meint zwar, Süßes zu bekommen, der Körper versteht das aber schnell, dass das leere Kalorien sind und will richtige.

BESSER: Süßstoffe ganz weg lassen – und Zucker ebenso. Wasser ist das beste Getränk.

 

4- Fruchtzucker ist eine gute Alternative. Er wird ja nicht über das Insulinsystem entsorgt.

FALSCH

Fruchtzucker wird zwar nicht über das Insulinsystem verstoffwechselt, aber ähnlich wie Alkohol in der Leber und kann so zur nicht-alkoholischen Fettleber führen. Fruchtzucker beeinflusst unser Leptinsystem, das heißt, es kommt kein „ich bin satt“-Signal mehr an das Gehirn. Man isst mehr als man will und braucht  – wir werden fett. Fruchtzucker wird auch nicht mehr für Diabetiker angepriesen – eben auch diesen Gründen. Wir konsumieren heute Fruchtzucker in unglaublichen Mengen, was bei vielen mittlerweile zu Gesundheitsproblemen führt. Fruchtzucker in echten Früchten stellt dagegen kein Problem dar – hier ist er fest in ein Bündel von Nährstoffen eingepackt.

BESSER: ein Blick auf’s Etikett und Fruchtzucker meiden! Er versteckt sich auch hinter den Bezeichnungen: Glukosesirup, Isoglukose, Maissirup.

 

5- Zucker macht nichts, man kann ja ganz einfach auf die maximal 6 Teelöffel für Frauen und 9 Teelöffel für Männer pro Tag schauen…

FALSCH

Zucker ist einfach überall. Vor allem mit der „Anti-Fett-Welle“ musste ein Ersatz für diesen Nährstoff gefunden werden – und Zucker trat auf den Plan. Billig, einfach und durchaus süchtig machend. Damit er allerdings nicht so auffällt, kommt er unter vielen Namen. Die Hersteller müsste die Zutaten nach ihrem Anteil auflisten – das was am meisten drinnen ist, kommt an erster Stelle. Diesen Platz am Podium tritt Zucker allerdings gerne ab – daher als Beispiel aus einer Schoko-Crispie-Waffel die Bezeichnungen:Glukose-Fruktose-Sirup, Glukosesirup, karamellisierter Zucker, Maltodextrin, Milchzucker, Molkenerzeugnis, Süßmolkenpulver, Vollmilchpulver, Magermilchpulver, Zucker und gezuckerte Kondensmilch. Macht 45,4g Zucker auf 100g. Der Name erscheint allerdings erst weit hinten.

Auch Apfeldicksaft, Agavensaft, Honig sind Zucker. Und die Claims „ungesüßt“, „kein Zucker zugesetzt“, „mit natürlicher Süße“ ….. sollte man sehen, was sie sind. Werbesprüche.

Besser: Zucker vermeiden soweit es nur geht.

 

6- Viel Vollkorn ist gut. Das hat viele Vitamine und macht satt.

Upps

Erstens, die bedauernswerten Menschen, die an Zöliakie leiden, wissen es: Gluten heißt der Auslöser der Schmerzen. Zöliakie ist übrigens in den letzten 40 Jahren dramatisch angestiegen, was mit den heutigen Züchtungen zusammen zu hängen scheint. Die sind nämlich im gleichen Zeitfenster entwickelt worden. Gluten ist ein Eiweiß, das unsere Backwaren so schön macht.

Außerdem will auch Getreide nicht gefressen werden. also hat die Natur Lektine und Phytate als Verteidigung in seiner Schale erfunden. Erstere sind für das „leaky gut“ Syndrom verantwortlich (löchern also quasi unseren Darm), letztere binden Vitamine und Mineralstoffe. Die sind somit zwar vorhanden, können aber nicht aufgenommen und verwertet werden, weil gebunden. Im Vollkorn kommen entsprechend mehr Lektine und Phytate vor.

BESSER: clever entscheiden, den Anteil an Getreide reduzieren. Alternativen ausprobieren.

 

7 – Salz reduzieren!

Upps

Salz ist des Teufels wie gesättigte Fette. Was sagen Studien? Naja ……….

Für Menschen mit Bluthochdruck folgende Info:

Das IQWiD (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen), das systematisch Übersichtsarbeiten über alle existierenden medizinischen Studien zu einer  Fragestellung durchführt, dabei wirklich unabhängig ist und nur die wirklich guten Studien nimmt (meist ein sehr niedriger einstelliger Prozentsatz!) kommt zum Thema Zusammenhang zwischen Kochsalz und Bluthochdruck zu folgendem Ergebnis: „Ein Nutzen oder Schaden einer kochsalzreduzierten Diät bei Patienten mit Bluthochdruck ist hinsichtlich patientenrelevanter Eckpunkte auf Basis randomisierter kontrollierter Studien bislang nicht belegt“.

Heißt. es gibt seit 50 Jahren keinen belastbaren Beweis für Salz als Teufelszeug.

Ansonsten scheint es so, dass Menschen, die eine „mittlere“ Salzaufnahme hatten, am längsten lebten. Was ist eine „mittlere“ Menge? Ungefähr 2 Teelöffel Salz pro Tag. (und das ist deutlich mehr als die „dringend empfohlene Menge von maximal 1 Teelöffel“)

Für die Athleten hier: zu wenig Salz bewirkt Symptome ähnlich wie Übertraining, Hochdruck und Schlafstörungen. Salz unterstützt die sportliche Tätigkeit durch Erhöhung des Flüssigkeitsvolumens und einer Reduzierung der physiologischen Belastung. Es hilft auch, Cortisol (das Stresshormon) schneller aus dem Blut zu bekommen.

ALSO: Getränke vor dem Wettkampf mit Salz versehen – und wir bieten euch Salzkekse an den Verpflegstationen.

 

8- es ist doch egal was ich esse – so 2.000kcal (Frauen) bis 2.500kcal (Männer) am Tag dürfen es sein, ansonsten ist’s doch egal.

FALSCH

Das ist die „eine Kalorie ist eine Kalorie“ Ansicht. Und die ist definitiv falsch. Es ist nicht egal, was man isst – siehe auch das Beispiel Amerika. Wir sind nur dann gesund und gut drauf, wenn wir die richtigen – nährstoffreichen, natürlichen – Lebensmittel zu uns nehmen. Wer meint, 4 Tafeln Schoki oder zwei Packungen Kekse tun es auch, wird sich möglicherweise langfristig mit Problemen konfontiert sehen . Der Körper ist keine Mülltonne, die alles schluckt. Wer seinen VW-Diesel mit Benzin füllt, weiß, dass er damit Probleme hat. Und zwar sofort. Beim Menschen dauert’s meist ein bisschen länger.

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