Mikrobiom rules!

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Performance Enhancing Drugs (aka Dopingmittel) kennt man – aber Performance Enhancing Bacteria? Auch die gibt’s – sie wurden gerade im Mikrobiom von Eliteathleten gefunden!

Forscher aus Boston (Joslin Diabetes Center) haben eine Bakterienart identifiziert, die in den Mikrobiomen von Elitesportlern vorkommt und die zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit beiträgt. Diese Bakterien, Mitglieder der Gattung Veillonella, sind nicht im Darm „unbewegter“ Menschen zu finden.

Veillonella kann etwas Besonderes – sie metabolisieren durch Bewegung produzierte Milchsäure und wandeln diese in Propionat, eine kurzkettige Fettsäure, um. Der menschliche Körper verwendet dann dieses Propionat, um die Trainingskapazität zu verbessern.

Diese erhöhte Trainingskapazität wiederum ist interessant als Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes und für die allgemeine Langlebigkeit förderlich.

Die Arbeiten begannen 2015, als man Stuhlproben von Boston Marathonläufern nahm und untersuchte. Sie wurden während einer Zeitspanne von einer Woche vor dem Marathon bis zu einer Woche nach dem Marathon gesammelt und als Vergleich dazu Proben von sedativen Personen. Es fiel sofort auf, dass Veillonella nach dem Marathon in den Läufern eindeutig im Überfluss angereichert wurde. Veillonella ist auch bei den Marathonläufern grundsätzlich in viel größere Zahl vorhanden als bei „unbewegten“.

Sie bestätigten den Zusammenhang mit einer verbesserten Trainingskapazität in Mausmodellen, wo sie nach der Supplementierung mit Veillonella eine deutliche Steigerung der Lauffähigkeit sahen. Wobei grundsätzlich herausstach, dass Veillonella im menschlichen Mikrobiom einzigartig ist, denn es verwendet Laktat oder Milchsäure als einzige Kohlenstoffquelle. Und Milchsäure wiederum wird von den Muskeln bei anstrengendem Training produziert. Die Veillonella-Bakterien sind in der Lage, dieses „Nebenprodukt“ (nein, ist es nicht!) als Hauptnahrungsquelle zu nutzen.

Und wie sich in den weiteren Untersuchungen herausstellte, ist nicht das Lactat der Schlüssel, sondern das gebildete Propionat – auch hier lieferte das Mausmodell die Beweise, das es die Laufleistung verbesserte.

Das ganze ist ein weiterer Beweis für die Wichtigkeit eines gesunden Mikrobioms, das sehr starken Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Bewegung ist zusätzlich ein wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils zur Abwehr von Krankheiten wie Typ-2-Diabetes.

Nun denkt man natürlich an den nächsten Schritt – ein probiotisches Nahrungsergänzungsmittel mit Veillonella zu entwickeln, das die Menschen einnehmen können, um ihre Fähigkeit zu sinnvoller Bewegung zu erhöhen und sie damit vor chronischen Krankheiten wie Diabetes zu schützen. Direkt Propionat zu geben funktioniert nicht, da die kurzkettige Fettsäure durch Verdauungssäfte abgebaut würde, bevor sie wirksam werden könnte.

Allerdings: Das Mikrobiom ist ein wahrlich leistungsstarker Stoffwechselmotor und hier wird erstmals die direkte Rückkoppelung zwischen Wirt (aka Mensch) und seinen Mitbewohnern (aka Mikrobiom) gezeigt. Nur: es ist für jeden Menschen einzigartig und mag a „g’scheite Ernährung“. Nix Pillen, Tabletten und co.

Ergo: iss‘ was g’scheit’s!

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