Nüchtern „workouten“?

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Nüchtern – also hier gemeint ohne davor gegessen zu haben – ein Workout zu absolvieren, ist eines der öfter diskutierten Themen. Ist es gut, ist es schlecht? Was könnte es bringen, und für wen?

Grundsätzlich gilt, dass die Menschheit über den allergrößten Teil ihrer Entwicklungsgeschichte keine tägliche, rund-um-die-Uhr Nahrungsmittelversorgung in Hülle und Fülle hatte. Immer waren zunächst große körperliche Anstrengungen erforderlich, bevor gegessen werden konnte – das gilt für die Jäger-und-Sammlerkulturen ebenso, wie die ersten sesshaften Menschengruppen, bis hin in die jüngste Vergangenheit. Nachdem wir wissen, dass „Sport“ als Zerstreuung und Freizeitbeschäftigung erst im späten 19.Jahrhundert in England aufkam, war der tägliche Broterwerb das „workout“ – und das musste wahrscheinlich sogar meistens mit leerem Magen passieren. Wir Menschen sind also dafür angepasst.

Wenn wir einige Zeit (Tage) fasten, verlieren wir unsere Muskulatur nicht gleich, die entstehenden Ketone helfen, Protein zu sparen, ebenso wie das durch Fasten erhöhte Wachstumshormon schützt. Außerdem wissen wir, dass Krafttraining dem Körper signalisiert, dass die Muskulatur gebraucht wird, was sich auch in der besseren anabolen Reaktion auf Kraftraining vor dem Frühstück ausdrückt.

Fettabbau – nachdem ja die Fettdepots bevorzugt verwendet werden sollten – durch einen Morgenlauf vor dem Frühstück (oft gemacht als Athlet!) kann funktionieren, allerdings bei Männern besser als bei Frauen. Diese scheinen viel empfindlicher auf Kalorienentzug zu reagieren – etwas, was aus eigener Erfahrung Tatsache ist. Bei Bodybuildern hingegen weiß man, dass ein intensiver Morgen-„Spaziergang“ im nüchternen Zustand angewandt wird, um Fett abzubauen.

Natürlich wird man wahrscheinlich etwas schwächer sein, wenn man im nüchternen Zustand trainiert. Allerdings kann sich der Körper anpassen, um – sollte ein Wettkampf geplant sein – im Ernstfall gut genährt einen Vorteil ausspielen zu können.

Letzlich kommt es aber wie immer auf die einzelne Person an, denn jeder ist ein einzigartiges Experiment der Natur. Aus eigener Erfahrung: eine Krafteinheit (auch HIT, Tabata etc.) morgens, nach dem Aufstehen, im nüchternen Zustand geht super und problemlos. Auch, die Nahrungsaufnahme nach dem Workout noch etwas weiter zu verzögern. Wobei: für den Muskelaufbau sollte man ein Zeitfenster von 45 Minuten nach dem Training nützen, um eine gute Proteinquelle mit „schnellen Kohlehydraten“ (für eine rasche Insulinantwort – Speicherung!) zu konsumieren.

Eine Radtour/Ausdauereinheit im nüchternen Zustand ginge gar nicht, und ab einem gewissen Zeitpunkt muss auf jeden Fall „nachgeladen“ werden. Der Partner wiederum kann stundenlang ohne Nahrung auskommen, kann Ausdauer oder Kraft trainieren – aber keinesfalls am Morgen, und am Nachmittag nur nach Kaffee „upload“.

Man muss also für sich die optimale Lösung finden – und sehen, was gut funktioniert.

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