Warum wir fett werden

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Gut, das ist doch ganz klar – wir essen zuviel und bewegen uns zuwenig. Wir müssen nur die aufgenommen Kalorien mit den verbrauchten ausbalancieren, dann passt es wieder.

Das sagt auch Coca-Cola (Coming Together, 2013): „Übergewicht zu bekämpfen braucht Einsatz von uns allen, basierend auf einfachem Hausverstand: jede Kalorie zählt, unabhängig davon woher sie kommt, einschließlich Coca-Cola und allem anderen mit Kalorien ……“

Wirklich?

Wieviele Kalorien hat ein Kilo Körperfett? 7.500. Ein Jahr lang täglich einen (!) Bissen von einem Apfel mehr als die tägliche „Balancemenge“ an Kalorien gegessen, und schon tragen wir 1 kg mehr um die Hüften. (20 kcal x 365 Tage = 7300) In 25 Jahren gibt das dann einen beachtlichen „Schwimmreifen“.

Wer möchte nun noch sagen, dass das mit dem „Ausbalancieren“ kein Problem ist? Wer ist wirklich so gut, dass er/sie auf eine winzigen Bissen genau sagen kann, wann „genug“ ist? Wäre es nicht naheliegender, andere Mechanismen zu vermuten?

Und ja, es sind andere Kräfte am Werk. Sie heißen Hormone und steuern uns und unser Gewicht.

Wie das geht? Sehr vereinfacht so:

Unser Gehirn erhält laufend Information über unseren Energiezustand aus unserem Verdauungstrakt. Die Hormone Leptin und Insulin sind dabei der Schlüssel. Leptin signalisiert entweder „Hunger – Energie speichern“ oder „Satt – Energie verbrennen“. Diese Regulation ist also eminent wichtig. Sie wird beispielsweise durch den vielen Fruchtzucker (Fruktose-Glukose-Sirup, Glukose-Fruktose-Sirup, natürliche Süße aus Früchten …….) in unserer Nahrung massiv gestört. Das heißt, dass das Gehirn das Signal von Leptin nicht mehr „sieht“ und auf „Hunger“ schaltet. Es schreit förmlich nach Essen und wir plündern den Kühlschrank.

Insulin wiederum wird nach dem Hungersignal und der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet – die Menge ist dabei primär von der Menge an Kohlenhydraten und deren Qualität abhängig. Das heißt: viele Kohlenhydrate – vor allem in Form von Zucker – viel Insulin. Wenige Kohlenhydrate bzw. komplexe, die lange zum Verdauen brauchen – wenig Insulin.

Viel Insulin bedeutet für den Körper, dass viele Kohlenhydrate für die Energiegewinnung da sind – damit wird Fett gespeichert. Und Fett wird erst wieder bei niedrigem Insulinlevel freigegeben. Wenn nun permanent Kohlenhydrate über die Nahrung oder die Getränke anströmen, kann das nicht passieren, die Fettpolster werden automatisch mehr und mehr.

Insulin bringt also die Kohlenhydrate aus dem Blutkreislauf zur Muskulatur zur „Verbrennung“, sorgt dafür, dass nicht gebrauchte Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und in den Fettzellen gespeichert werden. Es sichert sogar die Versorgung der Muskelzellen mit Protein (wird daher auch im Doping verwendet).

Die Quintessenz: wir werden fett, weil der Insulinspiegel hoch ist.

Und unsere Ernährungsempfehlungen sagen auch noch 55% Kohlenhydrate, 15% Eiweiß und 30% Fette in der täglichen Nahrungsaufnahme für „Nichtsportler“!

Was heißt das:

Wir nehmen als Beispiel eine Frau (bei Männern das gleiche Ergebnis heraus), die 2000 kcal täglich konsumiert. Das brav nach Vorschrift, 1100 kcal (55%) aus Kohlenhydraten (das sind 268 Gramm), dazu 600 kcal (50%, 67g) aus Fetten und 300 kcal (15%, 73g) aus Eiweiß.

Bei einem Grundumsatz von etwa 1300 kcal (Annahme 60 kg schwer, 169 cm groß, 50 Jahre alt, Mifflin St. Joer Formel), der zu etwa 80% aus Fetten gespeist wird (Cordain, 2013), heißt das, dass 260 kcal (63 Gramm – 20%) aus Kohlenhydraten verbraucht werden.

Dazu kommt der Leistungsumsatz von 700 kcal. Dieser wird zu etwa 60% (bis 80%) aus Fetten abgedeckt (Cordain, 2013), heißt 420 kcal aus Fetten und 280 kcal aus Kohlenhydraten (= 68 Gramm).

Nachdem die Nichtsportlerin 268 g aufnehmen soll und dabei in Grundumsatz und Leistungsumsatz 63 + 68 = 132 g verbraucht, muss sie zusätzlich 136 g Kohlenhydrate (557 kcal) täglich verbrennen, die ja reine Energiequelle sind. Alternativ werden sie vom Insulin zur Leber transportiert, zu Fett umgebaut und in den Fettzellen gespeichert.

Beim langsamen Gehen verbraucht sie 2,9 kcal/kg/h (174 kcal pro Stunde) – wiederum zu etwa 60% aus Fetten, zu 40% aus Kohlenhydraten (freundlich für sie gerechnet, nämlich mit höheren Kohlenhydratanteil im Verbrauch), was bedeutet, dass sie bis zu 8 Stunden gehen, oder sonst wie moderat aktiv sein muss. Und das täglich. Sonst wird sie fett. Ganz einfach zwangsläufig, denn eine Kalorie ist NICHT gleich einer Kalorie. Es ist nicht egal, woher sie kommt.

Würde die Dame übrigens 30% Kohlenhydrate (146g) und 55% Fette (122g) zu sich nehmen, hätte sie nur einen „Überschuss“ von 57,5 kcal, die sie zusätzlich abbauen muss. Das wäre mit 45 Minuten Gehen erledigt.

Zu den viel zu vielen Kohlenhydraten in unserer Ernährung (über die schlechten und vielen guten Fette reden wir ein anderes Mal) kommen noch eine Reihe weiterer Dickmacher wie Weichmacher im Plastik, Aromen die von Fruchtjoghurts über Wasser, Convenience Food etc. einfach „überall“ sind (das Übergewicht die einzige Nebenwirkung von Aromen ist, sagen die Hersteller selbst), probiotische Bakterien (werden in der Tiermast verwendet), Magerprodukte, Süßstoffe, etc.

Was hilft? Echtes Essen. Selbst kochen. Kohlenhydrate reduzieren. Und Bewegung genießen.

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