Berlin umrunden

0

…und das auf den Spuren der Berliner Mauer. Ein durchaus „spooky“ Erlebnis!

1989 fiel die Berliner Mauer – und manchmal hat man das Gefühl, im Kampf um Freiheit entstehen heute neue Abgrenzungen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Die Geschichte der Berliner Mauer wurde er- und befahrbar gemacht. Der  „Berliner Mauerweg“ (nicht „Rad“ – weil Rad- und Wanderweg!) wurde in den Jahren 2002- 2006 realisiert und kennzeichnet den Verlauf der ehemaligen DDR-Grenzanlagen zu West-Berlin. Und ehrlich – jeder hat in der Schule von der Berliner Mauer gelernt, man hat das Bild des abgeriegelten Brandenburger Tores vor Augen. Doch erst durch das „Erradeln“ wird der Irrsinn tatsächlich begreifbar. 160km lang, 3,6m hoch und aus 1,2m breiten Stahlbetonplatten zusammengesetzt, mit Außenmauer, Innenmauer, Todesstreifen, Schussanlagen, Wachtürmen in einem ganzen Ring um den Westteil Berlins gezogen – schauerlich und erschütternd!

DSC06145

Der Mauerweg ist, wie gesagt, als Rad- und Wanderroute auf dem ehemaligen Zollweg (im West-Berliner Teil) oder dem Kolonnenweg angelegt. Letzterer wurde von den DDR-Ganztruppen für Kontrollfahrten angelegt.

Der gesamte Weg ist an historisch interessanten Punkten mit Gedenkstelen ausgestaltet, die zum Beispiel an dort erschossene DDR-Flüchtlinge erinnern. Auch Mauerreste sind noch zu finden – voll mit Grafittis auf der West-Berliner Seite.

DSC06461

Der Berliner Mauerweg führt heute zu über 2/3 in Naturlandschaft – ein echter Naherholungsbereich für die Städter.

DSC06074

Im Gegensatz dazu stehen die noch sichtbaren Wunden innerstädtisch.

DSC06169

Wir haben den Mauerweg in 3 Tagesetappen angelegt, mit einem fixen Standort – das erwies sich als am sinnvollsten. Der Weg ist nämlich in Wirklichkeit 180km lang, denn er kann natürlich nicht zu 100% dem alten Mauerverlauf folgen. Er tut es aber tatsächlich den weitesten Teil der Reise!

Von unserem Hotel in Reinickendorf im Norden Berlins ist es ein knapper Kilometer bis zum Mauerweg. Wir entscheiden aber, quer westwärts im Norden am Tegeler See vorbei bis Spandau zu fahren und in Staaken Richtung Norden (Henningsdorf) zu beginnen. Hier kommt schon die erste Herausforderung: die Tafeln des Mauerwegs sind eigens gestaltet und in ungewöhnlicher Höhe angebracht. Diese soll allerdings die Höhe der Mauer symbolisieren – wir sind also blicktechnisch gefordert.

DSC06060

Staaken war Grenzbahnhof für die nördliche Transitstrecke und – wie alle Grenzübergänge – scharf bewacht. Vor hier geht die Strecke nach Norden, wo man hautnah erlebt, wie die DDR-Regierung auch den Schiffsverkehr kontrollieren ließ. Vorbei an westdeutschen Exklaven (Eiskeller, Fichtewiese Erlengrund) geht es nach Hennigsdorf. Die Radstrecke ist wunderschön angelegt – man muss aber immer an den Irrsinn des Einsperrens, Wegsperrens und Überwachens denken. Mahnmale und Gedenkstätten entlang der Strecke geben Zeugnis davon.

Von Hennigsdorf nach Hohen Neuendorf und weiter nach Hermsdorf geht die Reise durch den Norden Berlins, wo heute Naturschutzarbeit geleistet wird.

Der letzte Teil der ersten Etappe (75km) geht bis knapp vor der S-Bahnstation Wollankstraße.

Etappe 2 führt uns über 95km vom Hotel durch die Innenstadt Berlins bis Potsdam. Zunächst scheint der Weg wieder ein idyllischer Vororte-Radweg zu sein – allerdings mit viel leidvoller Geschichte. Die mit jedem Pedaltritt intensiver wird – auf der Bernauerstraße kommt sie dann sehr massiv. Regierungsviertel, Brandenburger Tor – hier wird die Reise sehr langsam, wir kurven durch Besuchermassen. Allerdings gibt es ja auch viel zu entdecken!

DSC06166

Potsdamer Platz, Checkpoint Charlie – wir folgen dem Zick-Zack der ehemaligen Mauer mitten im Herzen Berlins und wundern uns über die Logistik und die deutsche Gründlichkeit, Menschen im vermeindlichen Arbeiter-und-Bauern-Paradies einzusperren. Bald geht es wieder in ruhigere Gefilde, Richtung Süden und Richtung Schönefeld. Hier ist der Mauerweg wieder der Bevölkerung zurückgegeben – Biker, Skater, Spaziergänger, viele Menschen sind unterwegs und genießen die Freiheit. Bis vor Potsdam geht es (heute) idyllisch dahin – in Potsdam beenden wir die Tagestour. Von hier führt uns eine Schnellbahn direkt wieder bis fast vor die Hoteltüre.

Auch retour nach Potsdam geht es so (Etappe 3), wo der Radweg fast um die Stadt „geschlungen“ ist, bis er nach Norden wieder nach Staaken führt (das sind von Potsdam 49km). Von dort geht es die gut 20km wieder quer durch den Norden zurück – wieder über das Nacherholungsgebiet an der Havel und den Tegeler See.

Der Berliner Mauerweg ist eine tolle Reise mit vielen Eindrücken in zum größten Teil mittlerweile grüner Landschaft. Er ist fast flach, ein 3 oder 4 kurze Anstiege (gemeint 100m, dafür 10%) warten im Norden.

Man sollte schon 3 Radtage einplanen – und für uns war das Hotel Rheinsberg am See der optimale Standort!

Tipps: http://www.berlin.de/mauer/mauerweg/index/index.de.php 
Beschreibung des Weges mit viel detaillierter Info

http://www.chronik-der-mauer.de/ 
Chronik der Mauer

Es gibt auch viele Anschlussradwege!

Teilen auf: