Des fangt ja gut an!

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Zuerst reißt die Kette am Rad 2 Tage vor Abfahrt, dann bricht die Lok nieder und der Wetterbericht hat uns auf Kälteeinbruch, Regen, Hitze und starken Gegenwind eingestellt. Und alles beginnt noch dazu mit einer Wanderung.

Aber eines nach dem anderen: diesmal ging die Reise nach Tschechien, genauer gesagt zuerst ins Riesengebirge an die Elbequelle. Der Elbe folgen wir dann bis Melnik – da sind wir in die Flusstour eingestiegen, als wir entlang der Elbe nach Hamburg geradelt sind – dann geht’s nach Prag und schließlich über den Greenway bis Satov/Znaim. Das Reiseabenteuer von dort haben wir ja erst kürzlich beschrieben. Von dort sind wir durchs Retzer Land bis Tulln geradelt – und von dort kann man sich entscheiden: flach und Autobahn nach Wien (der Donauradweg) oder über den Jakobsweg nochmals „über alle Berge“. Bis Tulln ist auf jeden Fall mit rund 735km und 5500 Höhenmetern zu rechnen!

Dass die Kette bei der letzten Ausfahrt vor der Reise reißt ist wirklich nett – in Tschechien hätten wir zwar ganz sicher auch hilfsbereite Hände gefunden, doch die sehr netten Leute vom RLS Radshop haben ein rapido-leiwandes-Service – und wenn man dort warten muss, kann man gleich im Sportaktiv schmökern!

Ins Riesengebirge geht’s in einer Tagesreise – spannend, aber letztlich problemlos. Zuerst nimmt man den tschechischen Railjet nach Prag (von Graz über Wien), der nimmt Räder mit. Von Prag geht’s im Regionalzug Richtung Trutnov (auch hier kann man Räder reservieren), man steigt aber in Chlumec aus, nimmt den bereitstehenden Eilzug nach Trutnov bis Kuncice und schließlich das etwas antik anmutende Ding nach Vrchlabi (es gilt: Räder einfach rein).

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Wenn nicht gerade die Zugmaschine niederbricht, geht das in etwa 4 ½ Stunden von Prag, ansonsten muss man 2 – 3 Stunden mehr rechnen. Und: einige der Züge haben noch Auftritte, bei denen man sein Rad über 3 Stufen gut 1 Meter nach oben heben muss, der Gefährte sollte also eher nicht ganz so schwer sein.

Zur Elbequelle kann man übrigens nicht radeln – von Spindlermühle, wo der Radweg eigentlich beginnt, muss man eine 16km lange Wanderung einplanen. Ja – noch was: wer von Vrchlabi nach Spindlermühle will, hat die Möglichkeit den Räderbus (Linie 3) zu nehmen. Allerdings um 8:00 und 9:15 in der Früh vom Busbahnhof weg! Wir übernachten also in Vrchlabi, nehmen einen der vielen Busse am nächsten Morgen ins Riesengebirge und legen zum Start der Radtour einen Wandertag ein. Der ist übrigens empfehlenswert! Man fährt mit dem Sessellift auf den Medvedin und folgt den gut markierten Wegen zur Labska Bouda (eine Riesenhütte, unübersehbar und optisch ins Auge fallend) und Pramen Labe („Elbquelle“). Von dort geht es über den Elbfall durch die Elbschlucht nach Spindlermühle retour.

Der Radweg zwischen Spindlermühle und Vrchlabi ist übrigens kein „Muss“: es geht auf der Hauptstraße 14km einfach bergab – der Radstart in Vrchlabi ist daher für uns logistisch am besten. Der fällt übrigens dann wie angekündigt im strömenden Regen aus – Radjacke, Gamaschen, orange Brille und Stehzeit während der heftigsten Güsse begleiten uns an diesem Tag, wobei es letztlich sogar ein bisschen sonnig wird, als wir uns dem Tagesziel Hradec Kralove (Königgrätz) nähern. Der Radweg („2“) ist übrigens gut und durchgängig markiert und in großen Teilen neu und direkt an der Elbe angelegt – herrlich zum Fahren! Beispielhaft sei hier die Etappe von Kuks bis Hradec Kralove erwähnt. Nach 82km ist an diesem Tag Schluss.

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Die 82km nach Kolin beginnen – und bleiben – trocken, obwohl noch ein paar dunkle Wolken drohen. Wiederum geht der Radweg direkt an der Elbe entlang, zum Teil super hergerichtet. Vor Kolin haben wir allerdings 15km Rumpelpiste – nicht wissend, was noch bevorsteht! In Pardubice probiert den Pfefferkuchen („Pernik“), und zwar den einfachen, der schmeckt super!

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Tag 3 mit 99km bis Melnik beginnt gleich abenteuerlich, es geht durch den Wald auf schmalen Pfaden. Insgesamt stellt sich diese Etappe zu 50% als MTB-Trail mit Gepäck dar. Wir fahren über alle Untergründe von Sand, Waldboden, verwachsene Wiesenböden, Schotter bis zu groben Steinen; es ist zwar flach, aber Mensch und Material werden ordentlich durchgeschüttelt! Dazwischen gibt rund um die größeren Orte aber wieder super ausgebaute Abschnitte; es tut sich viel hier!

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Auch auf dem letzten Moldauabschnitt zwischen Melnik und Prag wurde richtig investiert! Die Rumpelpiste bis zur Fähre ist Geschichte, es gibt einen super Radweg. Und der MTB Ritt vor Prag, der als „umfahren, auch wenn’s bergig ist“ beschrieben wird, ist völlig entschärft. Der Bereich direkt an der Moldau ist gerodet, des steht ein etwa 2m breiter Fahrstreifen zur Verfügung, der ohne Probleme zu schaffen sein sollte. Es geht halt direkt daneben 5m direkt runter zum Fluss, und in den sollte man nicht fallen. Aber wie gesagt, 72km ohne Aufregung, wobei wir noch durch Prag in den Westen der Stadt fahren, nahe an den Startpunkt des Greenway Prag-Wien.

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Der liegt nun im Stadtpark (Prag 13) bei der U-Bahnröhre, die hoch über den Köpfen durch den Park zieht, ist gut zu finden – aber dann gibt’s ein Suchspiel. Für alle, die den Weg fahren wollen (wir finden ihn super!): Richtung Osten vom Startpunkt gibt es eine Fußgeherbrücke über die Straße. Die nehmen und dem Radweg „RE-HL“ folgen (etwa 3km), bis er in einem „deep dive“ nach einer Rechtskurve steil nach unten führt. Hier folgen und am Fuße rechts und sofort links halten. Man folgt dem Radweg A33 (und weiter A12 und A22) quer von Westen nach Osten durch den grünen Gürtel und durch 2 Täler von Prag – das ist wirklich sehr schön zu fahren! Übrigens gelten folgende Regeln: KEIN Radschild heißt „geradeaus“ (und das kann lange gehen), Radschild OHNE Pfeil heißt „geradeaus in Richtung Schild, ganz egal wie die Kreuzung aussieht“ und T-Kreuzung OHNE Schild heißt „rechts fahren“! Ja und das „Greenway“ Schild sollte man auch nicht immer ganz ernst nehmen. Man hält sich im Zweifelsfall bis Lom an den R11, dann bis Slavonice an den R32 und ab dann an den R48!

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Die 105km Etappe ist sehr schön aber auch sehr hügelig – und es tritt die Hitzeperiode auf den Plan! Wir schaffen 1200 Höhenmeter an diesem Tag mit auffrischendem Süd- (Gegen-)Wind und sind am Abend geschafft. Der Wirt hat echte Gaudi mit uns – 3 Portionen für 2 und genug Bier für die Wiederauffüllung – aber wir schlafen herrlich. Um am nächsten Morgen gibt’s vom Haus dafür gleich 3 statt 2 Eier ins Ham&Eggs.

Die Etappe nach Jindrichuv Hradec erweist sich zwar weiter als alles andere als flach, aber es werden nur 1000 Höhenmeter auf den 85km. Hier sollte man übrigens den Weg durch das Zentrum von Tabor nehmen, wäre schade, die schöne Stadt nicht gesehen zu haben! Hinaus folgt man dann dem Greenway, der wieder auf den R11 stößt. Auf der Tour fährt man übrigens meist auf kleinen Landstraßen ohne viel Verkehr, aber soweit wie möglich so „grün“ wie möglich. Es gibt immer wieder längere Waldpassagen und schattige Abschnitte. Die stärker werdende Hitze und der Gegenwind sind daher zwar nicht supertoll, aber verkraftbar.

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Nochmals geht es in Tschechien über alle Berge 100km und 1100 Höhenmeter bis Vranov nad Dyji, ein richtiges Ferienzentrum! Die Thaya ist hier zu einem riesigen See aufgestaut und alles wird zur Party-Location. Es gibt dort auch ruhige Waldhütten und Ferienanlagen; also für jeden etwas – allerdings sollte man sich mit dem Buchen einer Unterkunft nicht viel Zeit lassen; wir haben gerade noch das letzte Zimmer bekommen. Ferien, MTB-Wettbewerb und eben Party machen den Ort zum Hotspot.

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MTB-Bewerbe sind an diesem Tag übrigens offensichtlich mehrere auf dem Programm. Bei Slavonice finden wir uns auf einmal mitten in einem solchen und müssen die Streckenposten beruhigen, dass wir nicht vom rechten Weg abkommen. Dafür würden uns die Verpflegsstationen gerne servicieren.

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Der weitere Weg bis Tulln (101km) erweist sich dann als schwerste Etappe. Einerseits ist auch der letzte Teil des Greenways bis Satov noch anspruchsvoll, die Tour durch das Retzer Land ist aber ohne Schatten, man sieht meilenweit wohin man radeln muss, es ist typisch diesig für heiße Spätsommertage und es bläst der Gegenwind. Ja und die vielen Kirchtürme sind – anders als in Italien – ohne Bar in der Nachbarschaft, wo man Flüssigkeit tanken könnte.
Fazit: eine sehr lässige Tour quer durch Tschechien. Super Essen, sehr nette Leute, alles mehr entspannt. Unterkünfte gibt es viele, die findet man aber nicht über die gängigen Buchungsplattformen. Wer sich an trivago, booking & co halten will, muss längere Etappen (so wie wir) in Kauf nehmen. An Unterlagen gibt es den Bikeline-Führer „Elbe-Radweg Tschechien“, die Greenway Infofolder unter http://www.greenways.at/downloads/ (runterladen und offline mitnehmen!) und die Radkarte Weinland. Als Reisegefährt empfehlen wir ein Tourenbike oder MTB und leichtes Gepäck – und für die E-Biker: ausg’steckt is‘!

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