Ironcurtain – radeln am Eisernen Vorhang

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Radtouren werden gesellschaftstauglich – man packt seine Radtasche, sattelt seinen hoffentlich gut eingestellten Gefährten und fährt mehrere Tage einfach drauf los.

Ein Tipp, der von Wien aus leicht erreichbar ist, ist der „Ironcurtain“ Radweg, auch Eurovelo 13. Man kann ihn entlang der niederösterreichisch/burgenländischen Grenze in kurzen, 2-4 Tagesetappen fahren, oder auch länger – und der große Vorteil ist, er ist sehr gut markiert!

Wir sind dem Ironcurtain ja schon ein paar Mal begegnet – als wir den Moldauradweg entdeckten, als wir von den Elbequellen über Prag den Greenway bis zur österreichischen Grenze gefahren sind, als wir den Greenway von Znaim bis Valtice und weiter nach Wien erkundet haben – und nun ging der Weg von Brünn (Brno) bis Novy Prerov („Greenway Krakau-Wien“) – und dann entlang der Grenze bis Bratislava und weiter bis Szentgotthardt.

Los geht die Reise von Wien nach Brno per Zug, was mit dem Regionalzug von Wien nach Breclav und von dort weiter nach Brno einfach und flott geht.

Die Radtour um das Schlachtfeld von Austerlitz, die am Beginn der Tour stand, haben wir dabei schon beschrieben – die sollte man in Brno unbedingt mit einplanen!

Dann kann losgehen über den Greenway, (der von Krakau über Brno nach Wien führt) und  Eurovelo 9. Die Radtour ist gut beschrieben, gut zu fahren und führt ganz einfach in den Süden bis Novy Prerov, wo man auf den Eurovelo 13 (und den Greenway Prag – Wien) trifft.

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Nun geht es am Eurovelo immer hart an der Grenze zunächst Richtung Osten, über Mikulov mit seinem imposanten Barockschloss vorbei an Installationen an der Grenze, die die Geschichte der jüngsten Vergangenheit zeigen, bis Valtice (auch mit Barockschloss) und für uns nach Lednice (nochmals ein imposantes Schloss!). Dabei sind durchaus ein paar Steigungen auf eher sehr mäßigem Asphalt zu bewältigen! Aber: die Kulturlandschaft Lednice – Valtice ist allein schon eine Reise wert!

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Schloss Lednice

Von Brno bis Lednice sind es übrigens 105 Kilometer.

Am nächsten Tag werden es unverschuldet viel mehr – nämlich 143km! Und das kommt so: von Lednice wieder retour an die Grenze und zum Eurovelo muss man mit Karte suchen, findet den Weg aber. An der österreichischen Grenze vor Reinthal wartet noch ein schöner Berg, der überwunden werden will, dann geht es aber ziemlich flach bis Hohenau an der March. Und von dort wechselt man auf die slowakische Seite (merke: jedes Land hat seinen eigenen Ironcurtain Radweg!)  und findet einen gut markierten Weg direkt entlang der March – einsam, flach und straßentechnisch ziemlich ruppig.

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Nach den vielen Regenfällen ist allerdings ein großes Stück direkt vor Devin unter Wasser, was uns zu einem Umweg von fast 30 Kilometern zwingt, bis wir in Devin wieder auf den Radweg stoßen. Von dort geht es weiter entlang der March bis zu deren Mündung in die Donau, und von dort 11km bis direkt nach Bratislava.

Nun könnte man den Weg direkt fortsetzen, oder, wenn nur eine kurze Radzeit zur Verfügung steht, den Donauradweg retour nach Wien radeln. Das sind von Bratislava 80km, die auch bei Umleitung wegen Dammarbeiten in Österreich super markiert sind. Man leitet auch über Sehenswürdigkeiten um (Schloss Eckhartsau und Schloss Orth), was den Radweg attraktiver macht!

Nach Wiedereinstieg oder Weiterfahrt von Bratislava führt der Eurovelo 13 gut markiert bis Kittsee, wo es wieder nach Österreich geht, und weiter hart an der Grenze über Deutsch Jahrndorf, wo man einen Abstecher zum Dreiländereck mit seinen Skulpturen machen kann.

Über Nicklsdorf mit den Pannonia Fields über die Vogelhäcksler bis Andau folgen wir der Grenze und lassen nur den letzten „Schlenker“ aus und fahren bis Wallern – und notieren von Bratislava 117km Tageskilometer.

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Vogelhäcksler

Von Wallern führt der Weg an den Neusiedlersee auf ungarischer Seite und den Radweg, der dort herumführt. Hier hat sich in den letzten Jahren in Ungarn eine deutliche Wegverbesserung eingestellt! Der Weg ist z.T. auch neu angelegt und führt anspruchsvoll über die Weinberge bis man in Mörbisch wieder nach Österreich kommt.

Es wären nun nach Sopron nur wenige Kilometer, doch führt der Ironcurtain wirklich ganz eng die Grenze entlang und Sopron ist hier geografisch ziemlich „im Eck“. Man hat nach dem 1.WK für den Verbleib bei Ungarn und gegen Österreich gestimmt, und sich so für lange Zeit sehr isoliert.

Nach Schattendorf geht es dann ins alte Ödenburg (Sopron), wo der Tacho bie 86km stehen bleibt.

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Straße in Ungarn, kurz vor Sopron

Weiter geht es am nächsten Tag ziemlich hügelig – und in Ungarn auch nicht/neu markiert. Von Sopron finden wir den Weg in Ungarn nach Deutschkreutz, wo es dann auf österreichischer Seite bis Lutzmannsburg weitergeht. Wieder auf ungarischer Seite gibt es bis Köszeg keine Markierung – dafür eine wunderschöne, alte Stadt!

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Hauptplatz in Köszeg

Wir verlassen den von Bikeline vorgeschlagenen Weg über „die Berge“ (steil und mit schlechter Straße) und fahren eine kleine Landstraße, wo wir den „Dreizehner“ auf einmal wiederfinden. Offensichtlich ist hier der Radweg so geplant, wie wir ihn intuitiv fahren wollten – und er ist bis zur Grenze in Eberau wieder gut markiert. Bis Eberau legen wir übrigens 96km zurück, ein paar kommen noch für die Fahrt Speis‘ und Trank dazu.

Die letzte Etappe nach Szentgotthardt ist zwar kurz (50km) aber überraschungs- und diskussionsreich. Von Eberau bis Szentpeterfa fahren wir nach Markierung, als wir wieder nach Österreich kommen, ist sie verschwunden. Es scheint, als würde der „Dreizehner“ mit dem R1 (über Güssing und Heiligenkreuz) zusammengelegt werden. Also: so fahren? Anders fahren? Suchen? Mann entscheidet: suchen – wir verfahren uns aber ziemlich. Aber irgendwie gelingt das Suchen doch, in Großmürbisch ist der „Dreizehner“ wieder da. Um in Inzendorf wieder Verwirrung zu stiften – wir müssen nach Heiligenkreuz, nicht in den Tschanigraben …..

Und am letzten Berg, bevor es nach Heiligenkreuz hinunter geht, ist aufeinmal der R1 wieder da. Aber Hauptsache wir finden nach Szentgotthardt!

Anschluss von hier: Schnellbahn nach Graz oder den Raabtalradweg bis Gleisdorf und den Mostwärtsradweg (R49) nach Graz.

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Szentgotthardt

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