Neisse – Oder was?

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Sommer ist Radzeit – hier ein Vorschlag für eine spannende Tour: der Oder-Neiße (oder besser umgekehrt!) Radweg von der Quelle in Tschechien (Nova Ves) bis ins Stettiner Haff (bzw. die schöne Stadt Stettin).

Die logistische Herausforderung beginnt mit der Frage „wie kommt man dahin und wieder zurück“? Wir lösen das Problem so, dass wir mit dem Auto bis Zittau, am Dreiländerpunkt Deutschland-Tschechien-Polen fahren und von dort aus starten.

Geplant ist, bis Liberec mit dem Zug zu fahren und von dort die etwa 19km Anfahrt zur Quelle zu nehmen. Liberec wäre auch sonst ein guter Startpunkt, benötigt zur Hinfahrt per Zug aber Reservierungen und mehrere Umstiege. Da der Bahnhof in Zittau gerade umgebaut wird, ist allerdings Essig mit Zug und es heißt treten. 113,5km werden es gesamt von Zittau bis Liberec, Jablonec und Nova Ves zur Neiße-Quelle und dann retour auf dem erstaunlich gut markierten tschechischen Radweg (die Wege 3038, 3036, 14 und 20 sind angesagt).

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Neiße-Quelle

Was auf dem weiteren Weg auffällt – die schönen Städte werden meist umfahren, bzw. die Altstadt „links liegen“ gelassen. Das gilt auch für Liberec – das sollte man sich aber unbedingt ansehen!

Auch Zittau ist eine Stadt, die man sich ansehen sollte! Auch wenn die Spuren des Niedergangs deutlich sichtbar sind, ist die Altstadt doch sehr attraktiv! Und man kann sehr gut lokale Genüsse probieren!

Für uns geht es am zweiten Tag weiter bis Bad Muskau, immerhin 122km. Wer denkt, er hätte alle Steigungen bereits an Tag 1 absolviert (wir kommen auf 1250hm!), dem sei gesagt, dass es immer wieder rauf und runter geht. Auch Tag 2 bringt über 600hm. Wiederum: unbedingt ansehen sollte man sich die Stadt Görlitz! Auch hier führt der Radweg außen vorbei! Görlitz ist eine Mittelalterstadt, die an wichtigen Handelswegen prosperieren konnte. Sie wurde im zweiten Weltkrieg kaum zerstört und weist eines der besterhaltensten historischen Stadtbilder Deutschlands auf!

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Görlitz

Der Radweg führt weiter über viele Kilometer Damm und durch einsame Gebiete, dirkt an der deutsch/polnischen Grenze. Was man bedenken sollte: Wasser und Verpflegung – da gibt es oft lange einfach „nichts“!

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Am Neiße Radweg

Tag 2 beschließen wir in Polen, in Leknica, direkt an der Grenze gegenüber von Bad Muskau – genial!

Zurück über die Grenze geht es am dritten Tag zunächst durch den Fürst Pückler Park und das zugehörige Schloss – eine sehenswerte Anlage! Auch im nahen Cottbus hat sich der Gartenkünstler verewigt (und begraben lassen) und einen herrlichen Park gestaltet.

Weiter geht es entlang von einsamen Straßen und am Damm, bis die Neiße bald in die Oder mündet. Wer die Mündung wirklich sehen will, muss in Coschen auf die polnische Seite wechseln und 7 Kilometer bis Kosarzyn radeln. Dort gibt es auch eine nette Unterkunft! Zur Mündung sind es vom kleinen Ort noch 2 sandige Kilometer, dafür wird man mit herrlichem Ausblick belohnt!

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Neiße – Oder Mündung

Der Tag bringt insgesamt 96 Kilometer!

Am nächsten Tag muss man die 7 Kilometer wieder retour radeln und dann geht es auf dem Damm entlang der Oder nach Norden. Ein Besuchtstipp gleich am Beginn ist Neuzelle mit seinem beeindruckenden Zisterzienserkloster! Wir werden quasi zum Besuch gezwungen, denn Dammarbeiten machen den Umweg ohnehin unvermeidlich. Eisenhüttenstadt ist der nächste Stopp, von dort kann man sich dann einige Dammkilometer sparen, wenn man die direkte Bundesstraße (wenig befahren) nach Frankfurt/Oder nimmt. Nicht unterlassen sollte man wieder den Abzweiger ins Stadtzentrum! Ab dann heißt es wieder „Damm“ (und dem Gewitter davon fahren) bis Kostrzyn (Küstrin-Kiez) – 99 Kilometer sind am Ende am Tacho.

Den fünften Tag legen wir abenteuerlich an und wählen den Radweg in Polen um die vielen Dammkilometer in Deutschland zu umgehen. Und es gibt ihn tatsächlich, aus Kostrzyn geht es los und das mehr oder weniger markiert. Es geht auch über Sandpisten und wirklich schlechte Straßen, doch es geht. 92 Kilometer lang, bis wir wieder die Grenze passieren und in Schwedt übernachten.

Auch am letzten Tag nach Stettin wählen wir ab Staffelde wieder den polnischen Radweg, der ein EU-Projekt sein soll. Sagen wir so – er ist abenteuerlich.

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Oder Radweg in Polen

Nach 65 Kilometern radeln wir in Stettin ein – um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher. Der Neiße-Oder Radweg ist ein durchaus lässiger Radweg, der ein wenig Planung verlangt, aber eine spannende Sache ist!

Und wie kamen wir nun retour zum Auto? Dazu lest den Beitrag „Verspreet am Radweg“ – wir sind von Stettin per Zug nach Berlin gefahren und die Spree bis zur Quelle retour geradelt. Diese liegt nur rund 20km von Zittau entfernt – und die Sachsen meinen ohnehin „ihr“ Fluss wäre die Spree, nicht die Neiße.

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