Über alle Berge

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Man kann ja auf verschiedenste Weise von Graz nach Wien reisen – per Zug, per Auto und auch per Rad. Meist llegt man dabei rund um 200 Kilometer. Wir haben eine andere Tour probiert – und sind etwa 380 Kilometer auf den Tacho geradelt.

Wir haben uns allerdings nicht hoffnungslos verfahren, sondern haben den österreichischen Eurovelo 9 (Danzig – Pula) ausprobiert. Der folgt von Wien den Thermenradwegen in Niederösterreich und der Steiermark und zwischen Bad Radkersburg und Spielfeld dem Murradweg.

Also Ausgangspunkt Graz – ganz unspektakulär, flach und attrativ wie immer geht es 92km bis Bad Radkersburg. Dieser Teil ist für uns der eigentlich schönste Teil der Tour de Mur und ist zu jeder Zeit gut zu befahren.

Ein cooler Tipp für heiße Zeiten: der Eiskaffee im Cafe/Bäckerei in Lebring, direkt am Radweg, gegenüber der Tankstelle. Echt lecker!

Bad Radkersburg ist mittlerweile übrigens ein richtiger Hotpot geworden. Sportler und solche, die es sein wollen, bevölkern Therme, Schwimmbad und Radstrecken. Dazu kommen Thermengäste – es ist sehr quirlig!

Weil es Thermenradweg heißt (und sehr gut markiert ist), folgen wir den kleinen und großen Thermen, die wie auf einer Perlenschnur aufgereiht den Osten Österreichs bereichern. Los geht es in Bad Radkersburg, Tagesziel ist Bad Walterdorf, wir haben am Ende 104 Kilometer am Tacho. Allerdings auch 1047 Höhenmeter! Was zunächst noch „rollend“ entlang der österreichisch-slowenischen Grenze losgeht, wird spätestens in St. Anna am Aigen extrem. Der Radweg ist direkt zur Kirche hinaufgelegt – 18%, zwar kurz, aber mit Gepäck nicht zu „derradeln“ (außer, man ist E-Biker, so wie alle anderen Radler) – viele Tourenfahrer dürften hier also nicht vorbeikommen ….

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Nach St. Anna/Aigen hat man übrigens Anschluss vom Thermenradweg (R12) zum Jubiläumsradweg Burgenland (800 Jahre Jubiläum Burgenland 2001), der dann entlang der burgenländischen Grenze als R1 von Kalch bis Kittsee führt.

Von St. Anna geht es dann wahrlich über alle Berge und in einsamer Landschaft nach Norden. Leider auch an allen Orten vorbei – zum Wassertanken müssen wir 6 Kilometer Umweg nach Fehring in Kauf nehmen, denn ansonsten gibts: nix.

Alfredo hat auf seiner superinformativen Seite Fahr-Radwege/die schönsten Radwege Österreichs das Höhenprofil der Strecke gepostet. Gut, wenn man es erst im Nachhinein sieht!

In Bad Blumau herrscht offenbar Abschottung – wo man früher mit dem Rad direkt die Hundertwasser-Therme passiert hat, fährt man jetzt weit daran vorbei. Und der Ort ist überall „renaturiert“ (?) – heißt Schotterwege statt Asphalt und Umwege. Leider wenig attraktiv.

Das schlimmste Stück ist aber jenes von Bad Blumau durch Burgau: durch den Wald, über grobe Schotterstrecken, eine einzige Rumpelpiste, was mit Gepäck sehr, sehr mäßig angenehm ist! Und wieder: nix mit Burgteich, nix mit Burg in Burgau – im Bogen vorbei zur Kirche und „tschüss“. Einfach schade. Dafür fühlt man sich in Bad Waltersdorf richtig willkommen!

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Das Herzstück der Tour wartet am dritten Tag – der Ritt über Mönichkirchen ins schöne Niederösterreich. Bis zur innerösterreichischen Grenze sind noch viele Höhenmeter zu klettern, wie Alfredo eindrucksvoll darstellt: Unser Tacho zeigt 1148hm! Wobei: wir denken, der Anstieg von Hartberg aus ist angenehmer als von Aspang aus – von dort geht es nämlich durchgängig bergauf, während die steirische Seite mehr „rollend“ ist..

Der Radweg ist übrigens schön ausgebaut und durchgängig markiert! Im flachen Teil bis Bad Erlach (unser Tagesziel nach 100km) ist er auch attraktiv für lokale Tagesausflügler entlang des Auwaldes angelegt.

Das letzte Stück steht am vierten Tag am Programm – die Fahrt von Bad Erlach nach Wr. Neustadt und von dort entlang des Wiener Neustädter Kanals nach Wien (ca. 72km + die Strecke innerhalb Wiens, für uns den Liesingbach entlang in den Westen). Jetzt ist es wieder flach und easy going. Wenn es heiß ist, ist die Strecke aber nicht sehr einfach, weil Schattenstrecken fehlen.

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Fazit: die Thermenradwege sind sehr gut markiert und ausgebaut. Von Wien nach Wr. Neustadt ist es flach, Aspang bis Mönichkirchen steigt lang und zwischen 5 und 8%. Der steirische Thermenradweg hat ebenso richtige Kletterpartien, oft bis 12%. Der gesamte Weg ist sicher unter „mittel bis schwer“ einzustufen, aber sehr schön, aussichts- und genußreich! Der beste Zeitpunkt zum Fahren ist sicher der Herbst, wenn die Sonne nicht mehr zu kräftig ist, die landwirtschaftlichen Produkte aber uneingeschränkt genossen werden können!

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