Verspreet am Radweg

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…. oder wie kuriose Markierungen und schlechte Straßen den Spreeradweg beeinflussen.

Von Neiße und Oder haben wir bereits erzählt – und was wir dann gemacht haben, war, von Stettin bis Berlin mit dem Zug zu fahren und die Spree retour bis Zittau zu radeln. Die Sachsen dort sagen nämlich, dass die Spree ihr Fluss ist, nicht die Neisse – aber das ist eine andere Geschichte.

Also auf nach Berlin und vom Bahnhof Lichtenberg ins Gewühl rund ums Brandenburger Tor zum Tourstart. Die Spreemündung in die Havel hatten wir ja bei unserer Berliner Mauertour auf dem Programm. Wie immer: Demo rund ums Tor, wie immer Chaos pur, wie immer eine einzige Begegnungszone Verhaltensorigineller, wie immer Stress, bis man das Zentrum wieder verlassen hat. Dann wirds ruhiger und gemütlicher, man radelt Richtung Köpernick (und kann der Figur des Hauptmanns einen Besuch abstatten!) und durch das Naherholungsgebiet „Großer Müggelsee“ und Dämeritzsee/Flakensee durch Augebiet und -wald nach Fürstenwalde. Hier begegnet man auch dem ersten Teil des Oder-Spree Kanals, der die Dahme mit der Spree etwa 4km vor Fürstenwalde verbindet. Wir beenden das flache Tagwerk nach 93 Kilometern und lernen Berliner Weiße in Grün oder Rot kennen. Echt lecker!

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Der Hauptmann von Köpernick

Tag 2 bedeutet 110 flache Kilometer bis Lübben, im Herzen des Spreewaldes. Knapp 16 Kilometer nach Fürstenwalde treffen wir auf den zweiten Teil des Oder-Spree Kanals, diesmal als direkte Verbindung der beiden Flüsse. Dichte Auwälder und Wasserfläche prägen das Bild – wer die Natur und die Einsamkeit liebt, liegt richtig. Für’s Auge gibt es nach etwa 36 Kilometern das Städtchen Beeskow – und hier fällt erstmals auch die „kuriose“ Beschilderung auf: bis Lübben sollen es nach Tafel links der Straße 37, rechts der Straße 36 Kilometer sein. Tatsächlich sind’s 52 – und diese Diskrepanz der Angaben zieht sich ab jetzt bis zur Quelle durch. Dazu fehlen an wichtigen Stellen Hinweistafeln. Von den brüchigen bis gebrochenen Straßen, Plattenwegen und Pflastersteinen, die das Rad ordentlich durchrütteln ganz zu schweigen.

Die Spreewaldlandschaft ist aber durchaus sehr attraktiv und ein Touristenmagnet. Von Schlepzig bis etwa Burg erstreckt sich das Zentrum, das schöne Orte, reges Leben, Touristen und Kahnfahrten bietet – und natürlich die Spreewaldgurken als Muss.

Von Lübben geht’s am dritten Tag 116km bis Spremberg. Mit dabei ist ein Abstecher nach Lehde, mit seinen für den Spreewald typischen Häusern, die per Boot zu erreichen sind. Das gesamte Inseldorf steht unter Denkmalschutz – und ist dazu von Touristen gestürmt.

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Lehde

Auch an diesem Tag verfahren wir uns mehrmals am Radweg, finden mit Karte und GPS wieder retour auf den „richtigen“ Weg. Spannend sind die Braunkohlemeiler wie Jänschwalde (Braunkohle Tagebau) bei Peitz oder die Schwarze Pumpe bei Spremberg, die die Energieversorgung Deutschlands sicherstellen müssen – grundlastfähige Erneuerbare gibt es nicht, und schnelles Reagieren um den Energiebedarf immer zu gewährleisten und den Black-out zu verhindern, geht nur mit Braunkohlekraftwerken ….

In Cottbus heißt es wieder Abstecher in die Innenstadt machen! Und: hier begegnet uns Fürst Pückler wieder – er hat auch den Park von Schloß Branitz gestaltet und ließ sich dort auch in einer Pyramide im See begraben:

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Fürst Pücklers Pyramide

Bevor es nach Spremberg geht, passieren wir noch die erste Talsperre der Spree, wo sich ein echtes Ferienparadies etabliert hat – und als Hinweis, ab Cottbus beginnt der Radweg Richtung Quelle zu steigen.

Von Spremberg heißt es 104km nach Neusalza-Spremberg (Tag 5) zu radeln – wir suchen den Ort so aus, dass der Weg zur Quelle und zum Auto bei Heimreise am gleichen Tag (ca. 7 Stunden) bequem machbar ist.

Wieder: verfahren, widersprüchliche Schilder (es geht gleichzeitig nach links und nach rechts), ein Untergrund für „Fullies“. Und es steigt jetzt kontinuierlich, ab Bautzen ordentlich (wir machen an den letzten beiden Tagen bis zur Spreequelle gleich viele Höhenmeter wie zur Neißequelle, nämlich 1250!)

Der Bärwalder See nach Spremberg ist Ergebnis der Revitalisierung nach dem Braunkohleabbau in Boxberg und mittlerweile ein Freizeitparadies, ebenso wie die Talsperre Bautzen. Ja, und wieder muss man sagen: unbedingt den Radweg verlassen, und in den Ort hinein fahren! Die Stadt der Türme ist ein Besuchs-Muss!

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Bautzen, Stadt der Türme

Danach wird’s ein bisschen traurig – Schirgiswalde und die Talsperre Sohland sind noch touristisch interessant, Neusalza-Spremberg liegt unmittelbar an der tschechischen Grenze und auch die polnische ist nicht sehr weit – und das Ganze ist ein Abwanderungsgebiet. Die Jungen müssen Arbeit woanders suchen, es bleiben nur die Alten. Unser Hotel hat sein Restaurant seit einem Jahr geschlossen, weil es sich nicht rechnet, die Gasthäuser im Ort haben alle zu. Wir sind an einem Dienstag dort – einzig der Kebabstand neben dem Hotel geht gut. Und die Tankstelle im Ort mit Minimarkt hat auch offen ……

Die Hotelgäste sind in erster Linie Monteure – es riecht nach kaltem Rauch – das Hotel ist aber eine gute, saubere Bleibe für die Nacht, und das Abendessen wird „Kebab mit alles“ (sehr lecker!)

Einmal heißt es jetzt noch in die Pedale treten: 20 Kilometer bis zu den 3 Spreequellen (man konnte sich nicht einigen ….. eine ist versteckt, eine direkt vor dem „Volksbad“, eine im Wald – da muss man allerdings auf den Berg) …. und dann geht’s retour nach Zittau, wo die Reise mit der Neiße begonnen hat.

Fazit: der Spreeradweg hat viel Potential, ist vor allem für Naturliebhaber wunderschön, doch die Markierung könnte besser sein und der Straßenbelag ist für ein so reiches Land wie Deutschland doch beschämend.

Merke: Ausrüstung für den Spreeradweg – > ein vollgefedertes Bike, Straßenkarte und GPS.

 

 

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