Von Neapel nach Rom

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Ja, da kann man radeln – und das sogar sehr schön, direkt entlang der Küste mit traumhaften Ausblicken auf’s Meer und viele – vor allem von Italienern besuchte – Strände!

Los geht es aus Neapel, das verkehrstechisch etwas herausfordernd empfunden werden kann – oder anders gesagt, eine gewisse Todessehnsucht gepaart mit großer Unerschrockenheit sind von Vorteil. Es wird gehupt, was das Zeug hält, von allen Seiten kommen Fahrzeuge auf einen zu und drängen auf Vorfahrt, Verkehrsregeln gelten als Empfehlung – ebenso rote Ampeln – Polizisten sind tiefenentspannt, alle Autos rundherum beschädigt …. aber man kommt durch! Auch wenn man, so wie wir, die einzigen „unmotorisierten“ sind. Räder gibt’s nämlich nur als kleine Fatbikes mit Motor, er sehr stolz präsentiert wird.

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Castel Borgo in Neapel

Vom Fährhafen mit der majestätischen Burg fahren wir also Richtung Westen entlang des Golfs von Neapel, der in seiner Form daran erinnert, dass die Phlegräischen Felder, die hier beginnen, eigentlich ein Supervulkan sind. Wir tanzen also nicht am Vulkan, wir radeln entlang seiner Caldera.

Wunderbar und eng entlang der Küste geht es auf und ab mit ein paar kurzen Steigungen nach Posillipo und einfach der Straße folgend den Berg wieder hinab nach Bagnoli, wo vor den Toren eine alte Stahlfabrik vor sich hinrostet.

Wir folgen der Bucht bis nach Pozzuoli (römisch „kleiner Brunnen“), einem noch immer lebhaften Hafen. Er ist das Zentrum des phlegräischen Feldes, und weist eine Solfatara auf, ein Vulkankrater mitten in der Stadt. In der Stadtmitte finden sich auch die Reste eines Marktes (Macellum) aus antiker Zeit. Auch ein Amphietheater lässt sich in Pozzuoli bestaunen.

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Macellum

Überhaupt ist die Küste übervoll von Überresten griechischer/etruskischer/römischer Zeiten. Und wer beginnt zu graben, wird sicher bald auf antike Schätze stoßen ….

In Baiae geht es über den Berg/Hügel – wieder vorbei an römischen Ruinen – und nun wird der Weg bis Rom vor allem eines: flach!

Erster Blickfang ist der Lago del Fusaro mit der kleinen Casina Vanvitelliana, einem Jagd-Cottage der Bourbonen, die auch Casina di Pinocchio von den Einheimischen genannt wird, weil sie die Heimat der türkischen Fee in den Abenteuern von Pinocchio war. Erbaut wurde sie von Luigi und Carlo Vanvitelli.

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Casina Vanvitelliana

Ab hier geht es über kleine regionale Straßen an die Küste, die im Abschnitt bis etwa Lago Patria von eingezäunten Lidi dominiert wird. Man fährt nach Norden, hat rechter Hand die Parkplätze und linker Hand die Strände, die wie kleine Festungen umbaut und bewacht sind.

Bald ändert sich aber das Bild und man hat einen kilometerlangen Pinienwald mit wenigen Zufahrten, dafür mit einigen Damen, die ihr Service anbieten.

Ab Castel Volturno und besonders um Mondragone wird es wieder schön „strand-italienisch“: Sonnenschirme, Spiele, Bars, Pizzerien, viele Menschen – Strandleben pur!

Nach Scauri muss man einmal höllisch aufpassen: man fährt die gesamte Strecke entlang der SS7qtr, und die ist angenehm befahrbar. Daneben geht die SS7 als „große“ Straße. Die beiden wechseln aber bei einer Brücke die Rollen! Damit man weiter angenehm weiterfahren kann, muss man quasi abfahren und wechseln. Und so geht es dann über Formia nach Gaeta, das am Wochenende und zu Ferragosta überfüllt und wahrlich überteuert ist! Und für eine Pizza heißt es „anstellen“!

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Gaeta

Von Neapel nach Gaeta sind es übrigens 121km.

Vom wunderschönen Strand in Gaeta geht es der Küste entlang weiter (SR213 – sehr gut zu fahren), bis Sperlonga mit seiner Altstadt beeindruckt. Und natürlich mit Sand, Sonne, Meer, Strand.

Die Gegend ist übrigens die des Mozzerella Buffala – überall finden sich Käsereien und Möglichkeiten, diesen ursprünglichen Mozzerella zu kosten und zu kaufen.

Vor der Felsnase von Punta Rossa geht es in San Felice Circeo Richtung Lungomare Sabaudia und unendliche, intensive bevölkerte Strände bis Anzio, das nach 114km das Tagesziel bildete.

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Am Lungomare von Sabaudia

Von Anzio heißt es nochmals 43km entlang der Badestrände bis Ostia zu radeln – dann wird es kurios. Es führen 3 parallele Straßen nach Rom, wobei die Polizei uns auf die mittlere leitet. Das wird hektisch zu fahren, funktioniert aber gut. Wir kommen im Südwesten Roms in die Stadt und treffen sofort auf den Platz mit dem Bocca della Verita. Gleich um die Ecke ist das Monument für Vittorio Emanuele II und gleich anschließend das Forum Romanum mit seinem Colosseum. Wir sind also mitten im Geschehen und nach gesamt 75km am Ziel.

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In Rom

Wir finden leicht zum Bahnhof und fahren retour bis Villa Literno, von wo wir statt 1 Stunde zu warten, das Rad bis Neapel nutzen. Es ist nochmals ein schöner, interessanter Weg und gesamt kommen wir auf 100km von Anzio über Rom nach Neapel.

Fazit: eine schöne Strecke, so wie wir sie gemacht haben aber sehr anstrengend (über 100km pro Tag und sehr heiß!). Auch ist außer viel (Sand-)Strand wenig für’s Auge da. Aber wir haben die Fahrt trotzdem genossen!

 

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