Alle Jahre wieder

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Sobald die ersten wärmeren Sonnenstrahlen locken und zu Ostern Räder und Sportartikel verschenkt werden schallt der Ruf „auf zum Sport“ durch das Land.

Die diversen Zeitungen und Magazine holen die Geschichten vom supergesunden Laufen aus den Archiven (Motto: jeder kann laufen!), Laufschuhtests sprießen, die besten Fitness-Apps und Gadgets werden vorgestellt – wer nicht läuft ist out.

Aber ist das wirklich so? Hier ein paar Punkte für’s Stammbuch (wer das noch kennt)

1- Bewegung ist ein wichtiger Teil des Lebens – wir brauchen sie. Wir brauchen allerdings auch und vordringlich eine gute Ernährung. Wer meint, durch Laufen/Sport einfach abzunehmen, gesünder zu werden und eine tolle Figur zu bekommen, ist auf dem Holzweg. Der Sixpack wird in der Küche gemacht. Und da stehen keine süßen Säfte, Smoothies, Convenience Produkte, alle Varianten von Schoko+Keks, Fertignahrung, Nahrungsergänzungen etc.

2- wir sind nicht mehr so fit wie vor 20-30 Jahren. Wer heute anfangen will Sport zu treiben, macht das meist von einem deutlich niedrigeren Fitnessniveau als im letzten Jahrhundert. Für die, die es nicht glauben – schaut euch einen Film aus den 60er/70er Jahren an. Die Menschen scheinen alle unterernährt oder magersüchtig aus heutige Perspektive – und unsere heutigen, zusätzlichen (Fett-)Kilos müssen erst einmal wieder abgebaut werden.

3- die jährlich wiederkommenden Artikel zum Laufen sind zwar nett, gehen aber am Notwendigen vorbei – nämlich: bevor man noch 1 Schritt läuft, muss zunächst einmal das Muskelkorsett wiederbelebt und verstärkt werden (siehe auch Punkt 2). Ohne einen – neudeutsch – starken Core (also Bauch- und Rückenmuskel), sowie ausbalancierte Muskelstruktur gibt es kein Laufen! Das Radeln zur Arbeit oder am Wochenende ist bei weitem nicht so verletzungsgefährlich wie Laufen ohne ordentliche Muskulatur! Übungen für alle Leistungsklassen gibt es hier. Und übrigens: nein, nicht jeder kann (oder soll) laufen!

4- Wenn das Muskelkorsett einmal wieder da ist, dann kann es mit Laufen oder Ausdaueraktivitäten (Radeln, Walken, Wandern, Hiken…..) losgehen – oder, wenn wir beim Laufen bleiben, besser mit Laufen und Gehen im Wechsel. Wir haben einen Phasenplan dazu für ÜHus und Anfänger gemacht. Bedenkt: nicht nur die Muskeln, auch die Bänder, Sehnen, Gelenke und alle Organsysteme müssen sich wieder an eine Belastung gewöhnen. Das braucht Zeit!

5- wer viel schwitzt verbraucht deshalb nicht wahnsinnig viele Kalorien! Eine Übersicht haben wir hier für euch. Wir sind – leider – ziemlich effektive Maschinen.

6- für die normale Bewegungseinheit braucht niemand Wasser (oder noch schlechter: Isogetränke) mitschleppen. Das ist eine sinnlose Geschichte und kommt von den Mythen „8 Gläser täglich“ trinken und trinken bevor der Durst kommt. Ersteres stammt aus der Berechnung, dass für die Verdauung von 1kcal Makronährstoff 1ml Wasser notwendig ist (also 2l Wasser für 2000kcal). Dieses Wasser kommt aber zum größten Teil aus der Nahrung selbst! Für den zweiten Punkt gibt es eine einfache Überlegung: die Menschheit wäre längst ausgestorben, wenn Trinken vor dem Durst notwendig und das Feedbacksystem „Durst“ schlecht wäre.

7- bei allem was man tut – der Körper braucht Abwechslung. Er ist nämlich extrem effizient, sich auf Belastungen einzustellen. Und wenn er die einmal kennt, gibt es keinen Fortschritt mehr. Man muss ihn also in vieler Hinsicht fordern – und auch einmal an die eigenen Grenzen gehen. (bei entsprechender Basis natürlich). „Wer rastet der rostet“ heißt es richtigerweise. Oder „use it or loose it“. Und es bedeutet Kraft, Ausdauer und auch einmal eine schnelle/anstrengende Einheit zu mischen.

8- Die Sport/Bewegungseinheit ist ein wichtiger „Termin mit mir“ im Kalender. Eingetragen und mit Terminschutz. Sonst werden die Ausreden schneller da sein als man denkt. Auch sollte man bedenken: in einer Gruppe mag es lustiger sein, doch sobald der erste ausfällt, ist die Gefahr groß, dass alle in Pausenmodus gehen.

9- Bevor es losgeht braucht es einen Check. So wie das Auto regelmäßig in die Werkstatt kommt, oder das Bike vor der neuen Saison serviciert wird, kommt auch der eigene Gesundheits- und Leistungszustand auf den Prüfstand.

10 – und last but not least (und weil 10 Punkte immer toll klingen): das Training muss nicht Spaß machen! Richtig gelesen! Das kann durchaus auch „zach“ sein, da kann durchaus Überredung dabei sein – aber danach muss es sich toll anfühlen. Die Befriedigung, etwas geleistet zu haben, das prickelnde Körpergefühl, die angenehme Müdigkeit – das muss positiv empfunden werden!

In diesem Sinne: viel Spaß!

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