Laufen – warum eigentlich?

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Sommer – Sonne – Sonnenschein und Urlaub; und wieder kommen die Ratschläge, es jetzt doch endlich zu probieren mit dem Laufen, loszustarten und sich in die große Laufgemeinde einzureihen.

Los gehen die Appelle so ab Februar, wenn die ersten Sonnenstrahlen wärmer auf der Haut spürbar sind, intensiver wird es in den Frühling hinein („die Bikinifigur wartet“) und nun ist der Sommer da, als ultimative Gelegenheit, den Urlaub doch mit Sinn zu füllen. Aber keine Sorge, auch im Herbst schlafen die Aufforderungen zum Laufen nicht ein, denn jetzt geht es ja darum, den Urlaubsspeck wieder loszuwerden und die Herbstläufe zu genießen.

Aber warum eigentlich? Warum wird flächendeckend erklärt, dass Laufen sooo toll, gesund, schön, glücklich macht? So einfach ist, eine tolle Figur macht, das Körperfett nur so schmelzen läßt? Ein offener Blick auf die Laufgemeinde würde doch viele dieser Annahmen wie Butter in der Sonne schmelzen lassen!

Natürlich ist Laufen einfach: man braucht nur ein Paar guter Laufschuhe (eigentlich deren zwei zum Wechseln) pro Jahr, Funktionsleibchen und -hosen, dazu wärmere und lange Varianten, sowie Regenkleidung. Das ist in der Summe zwar auch nicht ganz billig – aber ansonsten ist es nur der eigene Körper, der bewegt wird. Kein zusätzliches Material, kein großes Investment in Sportstätten, keine Sportgeräte sind notwendig – man kann eigentlich (fast) überall loslaufen.

Und Herz-Kreislauftraining steht ja noch immer im absoluten Mittelpunkt des „sportlichen Hausverstandes“ in Österreich. Alle wichtigen Player im Sport werden nicht müde, Ausdauertraining anzupreisen – und auch die diversen Trainings-Apps zeichnen Schritte und Kilometer auf, aber nichts, was im Bereich von Krafttraining gemacht wird – das ist überdies noch vielfach verpönt und vor allem von Frauen gefürchtet.

Dabei zeigt eine Übersichtsstudie aus 2015, die sich mit der Frage befasst hat, was für die Änderung der Körperzusammensetzung (weniger Fett, mehr Muskulatur) besser wäre, Krafttraining, Ausdauertraining oder eine Kombination von beiden, einen eindeutigen Sieger: das Kraftraining!

Ausdauertraining hilft nur, Bauchfett zu verbrennen, wenn Krafttraining dazu absolviert wird –  oder wenn HIIT (high intensity intervall training – hochintensives Intervalltraining) dazu kombiniert wird, das heißt, der Körper hohem metabolischen Stress ausgesetzt wird! Und positive Wirkung von HIIT ergibt sich auch für Menschen, mit Herzversagen – wir sind nicht die Schneeflöckchen, für die wir uns oft halten.

Ganz abgesehen davon ist es ohnehin unerlässlich, VOR dem Loslaufen (nämlich Wochen davor!) die Muskulatur zu kräftigen, um Verletzungen weitgehend zu vermeiden. Laufen ist, was eher unbekannt ist, der risikoreichste Sport und Nummer 1 unter den Nicht-Kontaktsportarten, was Verletzungen betrifft.

Deshalb haben wir hier schon Programme gepostet, die Einsteigern bzw. Walkern den Einstieg ins Laufen zeigen und ein ganzes Paket an Übungen dazu, vom „absolute beginner“ bis zum „Profi“, sowie ein Dehnprogramm!

Laufen ist nämlich nicht so einfach und im Übermaß betrieben gar nicht so gesund, wie man meinen möchte. Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man nicht läuft; „aber ich muss doch Ausdauertraining machen – nein, muss man nicht! Man sollte sich bewegen und tun, was richtig Spaß macht!

Warum sollte jemand, der einem Kampfsport fröhnt, 10 Kilometer laufen können? Oder auch nur 5? Warum sollte ein Spielsportler das tun können? Fussballspieler laufen während eines Spiels etwa 8-12km – wir reden hier von 90 Minuten! Was würde der Spieler gewinnen, würde er 10km in 30 Minuten laufen können, weil er gut Ausdauer trainiert? Für seinen Sport nichts, denn er muss sprintstark sein, technisch, kognitiv und koordinativ top. Mit viel Ausdauertraining würde er seine fast-twitch (weißen) Muskelfasern in slow-twitch (rote) Muskelfasern umwandeln und langsamer werden.

„Ausdauer“ ist also situativ: abhängig vom Sport, den man liebt, bzw. welche Art von Ausdauer man bevorzugt. Gemütliches Radfahren? Touren radeln? Schwimmen? Spielsportarten genießen? Was auch immer: es muss nicht Laufen sein, es muss keine strukturierte Sportform sein und es sollte immer mit Kraft und schnellen Einheiten kombiniert werden.

Wer sich allerdings einen Marathon „schenken“ will oder ähnliches vorhat, sollte eines tun: nach Prinzip trainieren! hier und hier

 

 

 

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