Wanderzeit – Unfallzeit

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Herbstzeit ist Wanderzeit, auch wenn dieser Herbst sehr unvermittelt und gleich mit erstem Schneefall auf den Bergen ins Land gezogen ist.

Trotzdem darf man sich sicher im Oktober noch auf schöne Wanderungen freuen, wobei die Freude mittlerweile oft getrübt ist: am Ende des Tages steht oft die Bergrettung, die Erschöpfte wieder sicher nach Hause bringen müssen. Warum ist das so?

Einerseits muss man sagen, dass die Sportindustrie ganze Arbeit geleistet hat. Wenn man in den Bergen unterwegs ist, sieht man eigentlich immer gut ausgerüstete Menschen. Gute Schuhe, gutes Funktiongsgewand. Andererseits wird manchmal ein ganzer „Kleiderschrank“ mitgeschleppt, was sich auf das zu tragende Gewicht auswirkt. Doch was viel mehr zählt, ist die oft offensichtlich schlechte Kondition. Wir können Lieder singen von Wanderern, die zwar jung, aber mit hochrotem Kopf und sichtlich überfordert versucht haben, mit Freunden mitzuhalten und den vorgenommenen Weg zu bewältigen.

Wir haben ja schon oft darauf hingewiesen: die Gesellschaft wird fauler (siehe E-Bikes, E-Scooter etc.) und auch dicker (man höre das permanente Lamento darüber und sehe die vielen, völlig erfolglosen Initiativen der diversen Sportorganisationen).

Wie soll jemand, der das ganze Jahr über nur Rolltreppen und motorunterstütze Fortbewegungsmittel verwendet, auf einmal 1.000 Höhenmeter und 8 Stunden Wanderung bewältigen? Vor allem, da „Wandern“ ja offensichtlich für einige mehr in die Kategorie „Spazierengehen nur ohne Shopping“ fällt?

Der Status „nicht trainiert“ fällt dann noch zusammen mit absoluter Technikgläubigkeit – nix Kartenlesen, nix Orientierung am Berg, die Handy-App wirds schon erledigen. Und dann ist die Überraschung groß, dass oft die Funkverbindung fehlt.

Was noch oft fehlt, ist die Planung der Route. Wie lange, wie hoch, wie schwer? Welche Hütten und Rastmöglichkeiten gibt es? Welche kniffligen Passagen? Wie ausgesetzt ist der Weg? Wie sieht es mit dem Wetter aus?

Zumindest was die Wegzeit angeht, gibt es folgende Faustregel, die die alpinen Vereine aufgestellt haben:
* 1 Stunde flacher Weg bedeuten 4 Kilometer zurückgelegte Wegstrecke
* 300 Höhenmeter Anstieg bedeuten ebenso 1 Stunde Wegzeit
* 500 Höhenmeter Abstieg sind ebenso in 1 Stunde zu schaffen

Wer 1.000 m Anstieg und 12km Wanderweg bewältigen will, rechnet wie folgt:
* 12km = 3 Stunden
* 1.000hm = 3 Stunden 20min Aufstieg
* 1.000hm = 2 Stunden Abstieg – Aufstieg und Abstieg ergeben 5 Stunden 20 Minuten

Der kleiner Wert von flacher Strecke (3 Stunden) oder Aufstieg/Abstieg (5 Std. 20 min) wird halbiert – also 1 1/2 Stunden – und zum größeren addiert. Das heißt 5 Stunden 20 min + 1 Stunde 30 min = 6 Stunden 50 Minuten.

Das ist jetzt das Ergebnis der Faustregel, das noch beeinflußt wird durch die eigene Verfassung, Kondition, Alter, die Höhenlage (Wanderungen auf 2.000m sind anders als auf 800m!), Wetter etc. Auch sollte man Spielraum einberechnen für Pausen!  Man würde also für die Wanderung gut 8 Stunden ansetzen und sollte sich bewußt sein, wann man im Herbst morgens losgehen kann (wie kalt/finster ist es noch am Morgen?), bzw. wie lange man Licht hat (wann geht die Sonne unter, wann wird es wieder abendkühl?).

Ja und noch was: auch Wandern ist SPORT! Das heißt, trainieren – Grundlagenausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Reaktionsfähigkeit!

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