Superschuhe und Superbahn

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Auch wenn die Olympischen Spiele in Tokyo „2020“ – wir schreiben ja 2021 – ziemlich „nebenbei“ laufen und nicht wirklich gute Ratings haben, macht doch die Leichtathletik ein paar dicke Schlagzeilen. Rekorde purzeln und Fabelzeiten werden in den Statistikbüchern verewigt – wie beim 400m Hürden Lauf der Männer.
Was steckt denn da dahinter?

Nun – es scheint eine gelungene Kombination aus Schuh und Bahn zu sein, die unglaubliche Zeiten ermöglicht!

Die Debatte über „Superschuhe“ begann schon 2016, als Nike mit dem Vaporfly 4% (der Name steht für die Verbesserung der Leistung) für Aufsehen sorgte. Der Marathon der Männer bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 sah alle 3 Medaillengewinner in den gleichen Laufschuhen – und der Schuh wurde weiterentwickelt, das System patentiert und er machte als Vaporfly Next% Furore, als er Eliud Kipchoge (und sein Helferteam) am 12.10.2019 in Wien zu 1:59:40 im Marathon trug.

Während die Hightech-Schuhe bei den Straßenläufern allgegenwärtig sind, sind sie nun auch in der Stadion-Leichtathletik angekommen, und nicht nur Nike ist hier ein wichtiger Player, auch Puma hat einen richtigen „Renner“ entwickelt. Dieser hat den Norweger Karsten Warholm (NOR) in unglaublichen 45,94 sec zum Weltrekord über 400m Hürden gebracht. Der Zweitplatzierte, Raj Benjamin (USA), der die zweitschnellste, je gelaufene Zeit verbuchte (46,17), hatte Nike-Spikes an den Füßen.

Es ist hier ein technologisches Wettrüsten im Gange, denn die Schuhe, so sagen Experten, steigern die Laufökonomie und damit die Leistung der Athleten um bis zu 4% gegenüber „normalen“ Spikes bzw. Laufschuhen.
Die Top 50 Marathonläufer der Welt haben sich seit der Einführung des Vaporfly 2016 im Schnitt um ca. 2% verbessert und als die Technologie auf die Spikes übertragen wurde, fielen die Mittel- und Langstreckenrekorde.

Clou der Schuhe ist eine Kohlefaser-Bodenplatte – und bei Nike noch dazu zwei Air-Pod Kissen unter dem Ballen. Resultierend wurden im Jänner 2020 Regeln bzgl. der Sohlendicke für die Bahnspikes eingeführt – so wie sie im Hoch- und Weitsprung schon lange existieren. Nun ist eine maximale Dicke von 20 mm – bis 400m – bzw. 25 mm für Strecken darüber.

Aber das scheint den Air Zoom Maxfly nicht zu bremsen, oder wie die Produktbeschreibung sagt:
„Die Zoom Air-Einheit im Vorfußbereich sorgt für ein leichtes, reaktionsfreudiges Abprallen des Fußes auf der Strecke. 2 gepolsterte Kammern innerhalb der Lufteinheit sorgen für noch mehr Stabilität und Federung. In Kombination mit einer durchgehenden Carbon-Platte sorgt sie für ein treibendes und stabiles Gefühl, wenn dein Fuß abhebt. Das Carbon ist im Mittelfuß und in der Ferse abgestimmt, um ein steifes Gefühl zu vermitteln, wo es für einen besseren Übergang von der Ferse zu den Zehen erforderlich ist.“

Demgegenüber hat EvoSpeed Future Faster ebenso Hightec zu bieten:
„Der EVOSPEED TOKYO FUTURE FASTER+ wurde zusammen mit dem 400m Hürden Weltrekordhalter Karsten Warholm und seinem Trainer entwickelt. Das Obermaterial des Spikes ist mit Karbonfasern durchzogen und die Sohle besteht aus einer Karbonplatte, die von Mercedes AMG Petronas entwickelt wurde, mit permanenten Titanstiften. Er wiegt 135 Gramm.“

Eine Studie der University of Massachusetts hat sich die Innovationen wie veränderte Geometrie, Sohlenzwischenraum und Längssteifigkeit der Schuhe angesehen, kam jedoch zu keinem Schluss. Es sind mehr Daten aus Wettkämpfen erforderlich, um echte Vergleiche anstellen zu können und aus dem Gesamtpaket „Ausrüstung und Athlet“ die überwiegend bestimmende Komponente zu definieren.

Warholm selbst räumt übrigens ein, dass die Hightec-Spikes einen Einfluss auf seine Laufzeit hatten – was jetzt nicht sonderlich überrascht – er meint aber, dass es einen großen Unterschied zu den Schuhen von Raj Benjamin gebe: die zusätzlichen Luftkammern unter dem Vorfuß sorgten für einen „Bounce“ – Effekt, also so etwas wie einen Trampolin-Effekt.

Was bei aller Diskussion über technische Fortschritte und dem Wettkampf unter den Schuherstellern – der sich sicher angleichen wird – etwas unter dem Radar verloren ging, ist die revolutionäre Laufbahn bei den Olympischen Spielen.

Mondo, der Hersteller hat sich hier etwas besonderes einfallen lassen: eine Extraschicht des Belages mit kleinen Luftkammern. Auch hier ist liegt die Leistungssteigerung für die Athleten bei 1-2%.

Man folgt einem sechseckigen Konstruktionsprinzip und bringt ebenso einen Trampolineffekt ins Spiel: der Aufprall wird gedämpft und die Energie zurückgegeben.

Superspikes und Superbahn bringen also Superzeiten!

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